![]()
Ferdinand,
Dr. Johann Baptist, Neue Miszellen aus Heimat und Landschaft, Band 2
(1954-1959)
162 S.
61. Artikel: Ein Haus und seine Geschichte. S. 151-152
In den "Miniaturen aus Ettenheim" hatte ich an Hand der Wappen zwei Häuser in der Thomasstraße historisch beleuchtet: den sog. Stammhof und das gegenüber stehende Haus Thomasstraße 8, ehemals Eigentum von Alex Müller (Seite 43 und 47).
Ein drittes Haus in der Thomasstraße, Nr. 3" heute Behausung und Laden von Kunstglasermeister Fritz Vogl, vorher Julius Schorpp, ist geschichtlich ebenfalls interessant, zumal es noch mit einer Erinnerung an den Herzog von Enghien verknüpft ist.
Ein Schulkamerad und Konabiturient von 1899 (Bertoldgymnasium Freiburg), Landrat i. R., Ernst Werber in, Staufen, machte mich im Anschluß an einen Aufsatz über Enghien auf seinen Urgroßvater Benedikt Werber aufmerksam (1750-1839), der das Haus Thomasstraße 3 gebaut habe. Aus dem Nachlaß von Enghien habe er u. a. ein Jagdwägelchen, Pferdegeschirr und feine Wäsche ersteigert. An dem Hause befinde sich über den Eingang das Symbol der hl. Dreifaltigkeit (gleichseitiges Dreieck mit Auge in der Mitte).
Die Nachforschung ergab, daß dieser Benedikt Werber 1788-1795 Ratsmitglied, 1796 und 1797 Bürgermeister (Ökonomiebeamter der Stadt und eine Art Stadtrechner, jährlich von der Bürgerschaft gewählt; was heute Bürgermeister ist, hieß damals Schultheiß, von der Herrschaft ernannt), 1798/99 Ratsmitglied, 1701 wieder Bürgermeister und 1802/o5 wieder Ratsmitglied war. Es muß sich also um einen angesehenen Bürger gehandelt haben.
Die Nachschau im Hause ergab folgendes: Das Dreifaltigkeitssymbol befindet sich noch heute über dem Ladeneingang (Sandstein). Es ist beim Umbau und der Fassadenerneuerung vor einigen Jahren von Bildhauer Beck aufgefrischt worden. Ursprünglich sollen sich die Buchstaben B. W. an der Skulptur befunden haben. An der Ostseite des Hauses entdeckt man am Türsturz des Kellereingangs die Buchstaben B.W. und die Jahreszahl 1785 eingemeißelt. Über dem hinteren Hauseingang ist die gleiche Jahreszahl angebracht, aber in römischen Zahlen: MDCCLXXXV, und am Eingang zul. einem Hintergebäude, heute Waschküche, in römischen Zahlen die Jahreszahl 1786.
Benedikt Werber erhielt für dieses Haus unterm 4. September 1786 von der Hof- und Rentkammer der fürstbischöflichen Verwaltung in Zabern ein Realwirtschaftsrecht. Es war das Gasthaus zum Salmen. Unter Julius Schorpp ist dieses Recht infolge Nichtausübung zum Erliegen gekommen, und das Wirtschaftsrecht ging als Personalrecht auf das Haus am Ringsheimer Tor über, wo sich heute noch der Salmen befindet. (Siehe Festbuch des Männergesangvereins Ettenheim von 1912, S. 95. Salmenwirt war damals Max Ries).
Aus der Spitalgeschichte von Ettenheim ergibt sich, daß Salmenwirt Stadtrat Werber 1840 dem Spital ein Geldvermächtnis zukommen ließ (siehe "Neue Miszellen" Seite 56), wohl in einem Testament, das er bei seinem Tode 1839 hinterließ.
Eine Nachfahrin des Benedikt Werber war die Ehefrau des
ebenfalls aus Ettenheim stammenden Oberforstrats Dr. Johann Baptist Jäger, zuletzt
Vorstand des Staatlichen Forstamts Freiburg, der dann später (noch 1931/32)
im Ruhestand in seinem Hause Dreikönigstraße 54 wohnte. (Seine Witwe
lebte noch 1943 dort.) Jäger hat sich um die Erbauung des nach ihm benannten
Jägerpfades durch das Höllental verdient gemacht. Aus der Sippe Werber in
Ettenheim stammte auch der bekannte Stadtpfarrer von Radolfzell Friedrich
Werber, der auch als Redakteur tätig war und am 31. August 1920 im Alter von
77 Jahren starb, übrigens ein Vetter von Oberbürgermeister Winterer, die
Väter waren Geschwisterkinder und die Großmutter von F. W. war eine
geborene Winterer. Nur am Rande sei in diesem Zusammenhang, wo es sich um die
Sippe Werber handelt, bemerkt, daß die Mutter des Oberbürgermeisters W. eine
geborene Kollofrath mit dem wohlklingenden Vornamen Rosalinde war. (Den
Stadtpfarrer Werber in Radolfzell habe ich 1915 noch als Soldat erlebt.)
Ebenfalls dieser Sippe entstammt die Oberstudienrätin a. D. Prof. Klara Weber, In Freiburg, Talstraße 52a, eine Kusine des Landrats, die früher in Pforzheim dienstlich tätig war und ihre Sippe eingehend erforscht hat. Schließlich ist hier noch der Staatsrat Dr. Werber in Karlsruhe zu nennen. In Ettenheim selbst führt die Familie des Schlossermeisters Werber die Tradition der Sippe weiter.
Nach Mitteilung meines Schulkameraden E. Werber soll der Salmenwirt Benedikt Werber, auf seine alten Tage blind, ein Nörgler und Kritisierer gewesen sein, und davon sei offenbar etwas auf ihn übergegangen.
So sehen wir auch hier wieder die Zusammenhänge zwischen Familien- und Ortsgeschichte.