Zum nächsten ArtikelZum vorigen ArtikelFerdinand, Dr. Johann Baptist, Neue Miszellen aus Heimat und Landschaft, Band 2 (1954-1959) 162 S.
58. Artikel: "Die Ortenau" 1959. S. 146-148

"Die Ortenau" 1959

(H. B. 22.8.1959)

Der Historische Verein für Mittelbaden beglückt seine Mitglieder und die Öffentlichkeit auch dieses Jahr wieder mit einem starken Heft (236 Seiten) und bietet Beiträge aus allen möglichen Gebieten der Heimatgeschichte und Volkskunde. Der Schriftleiter, Prof. Dr. Staedele, Studiendirektor i. R., hat in dankenswerter Weise wieder alle Sorgfalt auf eine reichhaltige und gediegene Gestaltung des Inhalts verwendet und auch selbst eine Reihe von Beiträgen beigesteuert. Die bunte Reihenfolge stört nicht, gibt vielmehr dem Heft sein eigenartiges Gepräge.

Den breitesten Raum nehmen auch dieses Mal die Beiträge zur Kultur-, Kirchen- und Territorialgesichte ein (teilweise auch gemischt).Der leider erstorbenen Geistl. Rat Augustin Käst hat aus den Gengenbacher-Stadtreclmungen von 1525/26 allerhand über die damaligen, durch die Reformation verursachten Spannungen zwischaa Stadt und Kloster herausdestilliert. (S. 28). Rektor Dr. Hitzfeld setzt seine ausgezeichneten Ausführungen über die wirtschaftlichen Grundlagen der Abtei Gengenbach fort. Den Ettenheimer Chronisten interessieren hier, wegen der Nachbarschaft, insbesondere die Ausführungen über die Curtis Tutschfelden. (S. 192). Mit den schwierigen Fragen der Zehntablösung im 19. Jahrhundert befaßt sich Dr. Staedele für die vor den Toren Offenburgs liegenden Ortschaften Fessenbach, Zell, Rammeisweier und Ebersweier, ferner Gengenbach, (S. 100). Nach Weierbach (Zell-Weierbach) führt uns ein Aufsatz von Dr. Staedele über den dortigen Abtshof ursprünglich ein Erblehen des Klosters Gengenbach, das durch die Säkularisation auf den Staat überging und 1839 für den damaligen Lehensmeier Josef Anton Müller allodifiziert wurde. (S. 76). Der auf gründlichen und fleißigen aurchivalischen Studien beruhende Aufsatz von Hauptlehrer i. R. Ludwig Lauppe: Herrschaftliche Güter im ehemaligen Gericht Lichtenau, ist ein Beitrag zur Geschichte des Hanauer Landes, der sich nicht leicht liest, aber als Quelle für spätere Einzeldarstellungen (Lichtenau und Umgebung) Im Original hier Ende Seite 146 wertvoll sein dürfte, (S. 96). Durch das Hanauer Land führen auch die Reisen der Jahre 1830-1837 nach Straßburg, deren Kosten "uns Oberlehrer i. R. Emil Baader in seinem Aufsatz "Reisen nach Straßburg in alter Zeit" auf Grund eines alten Lahrer Haushaltungsbuches vor Augen führt. (S. 96).

Die Klosterfrau in Lichtental Dr. M. Agnes Wolters, uns von früheren Arbeiten her bekannt, schildert die Huldigung der Untertanen nach der Wahl der neuen Äbtissin Maria Euphrosina Wunsch an Hand des notariellen Protokolls vom 9. Januar 1727, aufgenommen in der damals üblichen schwülstigen Form, wie man sie auch in der Geschichte der Spannungen des 18. Jahrhunderts zwischen der straßburgischen Herrschaft und dem Kloster Ettenheimmünster vielfach findet, (S. 84). In eine ganz andere kirchliche Welt und Zeit führt uns Mittelschuloberlehrer Karl Jörger, der die Geschichte der anglikanischen Kirche - All Saints Church - in Baden-Baden wiedergibt, zu der der Grundstein am 22. März 1864 gelegt wurde. Von 1871 bis 1914 hatte die englische Kolonie in Baden-Baden einen eigenen Pfarrer. Heute dient die Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde daselbst. (S. 87). Eingehend und einnehmend schildert Rektor Eugen Beck die Entstehung der Wallfahrt zur Hl. Dreifaltigkeit auf dem Hochfeld bei Sasbach und ihre Verlegung nach Sasbachwalden in Verbindung mit Errichtung einer neuen Pfarrei daselbst. Schon. 1696 wird sie erwähnt und im 19. Jahrhundert verlegt. 1842 wurde das Kirchlein auf dem Hochfeld abgebrochen und am 22. Mai 1842 der Grundstein zur neuen Kirche in Sasbachwalden gelegt, die 1844 fertig wurde. Der Hochaltar aus dem alten Kirchlein wurde in die neue Kirche übernommen. (S. 89). Der jetzige Berichterstatter (Dr. Ferdinand) ist im Heft mit einem Aufsatz über die 15 Gemeinden des "Südbezirks", d. h. des südlichen Teils des Landkreises Lahr, vertreten, von denen er einen kurzen Abriß der Gesamtgeschichte gibt, um damit auch die Erinnerung an den früheren selbstständigen Amtsbezirk Ettenheim, jetzigen Amtsgerichtsbezirk, wachzuhalten. (S. 71).

Damit findet man den Übergang zur Geschichte einzelner Gemeinden, wie sie in den Heften des Historischen Vereins schon seit einigen Jahren gepflegt wird. Oberstudienrat Prof. Dr. Kähni, der I. Vorsitzende des Vereins, schenkt uns wertvolle Beiträge zur Geschichte Diersburgs, und Dr. Staedele erzählt uns ansprechend aus der Geschichte des Dorfes Ebersweier bei Offenburg. (S. 61 und 139). Von dem leider verstorbenen Hauptlehrer J. Schäfer folgt der Schlußteil seines in Heft 1958 begonnenen, sehr lesenswerten Aufsatzes über die Geschichte des Stabs Goldscheuer, d. h. Goldscheuer mit den seit altersher eingemeindeten Ortschaften Marien und Kittersburg. Goldscheuer bildet die nördlichste Gemeinde des an das Hanauerland angrenzenden sog. Rieds. Bis 1805 war Goldscheuer ein Bestandteil der österreichischen Landvogtei Ortenau, also mit deren Schicksal eng verbunden. Seit 1805 ist es mit der Ortenau badisch. (S. 37).

Orts- und Flurnamen sind im Heft ebenfalls berücksichtigt. Hauptlehrer H. Bischof deutet in eingehender, im einzelnen vielleicht gewagter, aber immer geistreicher Weise die Ortsnamen des Kreises Rastatt (S. 129), und Prof. A. Hasel befaßt sich in interessanten Ausführungen mit den Flurnamen von Neuweier. (S. 118).

Auch die Adels- und Familiengeschichte findet in unserem Heft eine Heimstatt. Oberstudienrat Dr. Oskar Kohler, der rühmlich bekannte Spezialist für die Geschichte der Geroldsecker, gibt uns eine anschauliche Schilderung über die späteren Geroldsecker aus der Zeit 1486-1669, Diebold II., Gangolf II. und Walther VI. 1569, in der Schlacht von Montauban, fielen Quirin Gangolf und Walther VII.

auf Seite der Hugenotten gegen den französischen König. (S. 105). Kaufmann. J. Krausbeck läßt alte Briefe von Wolfachern aus der Im Original hier Ende Seite 147 Zeit 1806 bis 1859 zu uns sprechen. (S. 218).

Schließlich kommt noch das Gebiet der Volkskunde zur Geltung. E. Schneider bietet uns im Anschluß an frühere Hefte weiteres volkskundliches Gut aus Hansjakobs Schriften. (S. 8). Dr. Staedele behandelt eine alte Tierkunde mit Angabe von Heilmitteln (S. 226), ferner das sog. Siebdrehen, (S. 236). Gewerbeschuldirektor Fr. Kober erzählt die Geschichte des Mädchens Lohe, später Löhle genannt, aus der Zeit, als die Alemannen von Heidentum zum Christentum bekehrt wurden, (S. 81). Schließlich sind noch die Ausführungen von Jos. Krausbeck über die Wiedereröffnung des Wolfacher Heimatmuseums hier her zu stellen. (S. 34).

Zu Beginn des Heftes widmet Dr. Kähni dem rühmlich bekannten, im November 1958 verstorbenen Offenburger Druckereibesitzers Franz Huber warme Worte des Gedenkens (S. 3/4), und Seite 5/7 hat Dr. Staedele die Chronik 1958/59 des Vereins niedergeschrieben. Die Seiten 229-235 sind Bücherbesprechungen gewidmet.

Die Jahresversammlung des Vereins findet am 20. September 1959 in Lahr statt. Auf dieser wird Hochschulprofessor Dr. Tschira aus Karlsruhe über die Burgheimer Kirche im Lichte der neuesten Forschung sprechen. Zahlreicher Besuch ist erwünscht.

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