Zum nächsten ArtikelZum vorigen ArtikelFerdinand, Dr. Johann Baptist, Neue Miszellen aus Heimat und Landschaft, Band 2 (1954-1959) 162 S.
56. Artikel: Ettenheims Bürger im Jahre 1695. S. 141-145

Ettenheims Bürger im Jahre 1695

(H. B. 29.7.1959)

Bürgerbücher sind oft wichtige Quellen für die Familien- und Ortsgeschichte. So verfügt die Stadt Lahr - ein besonderer Glücksfall - über ein Bürgerbuch aus dem Jahre 1356, auf 48 Pergamentseiten niedergeschrieben. (Dieses ist in der wertvollen Festschrift des humanistischen Gymnasiums Lahr zum 150jährigen Bestehen, Lahr, Druck von Schauenburg, 1954, behandelt). An der Spitze steht der Satz: "Unser Hergott ist Bürger in der Stadt zu Lahr."

Ettenheim, 1637 von Bernhard von Weimar gänzlich niedergebrannt, ist nicht in der gleichen glücklichen Lage. Offenbar ist alles ältere Schriftgut damals vernichtet worden. Aber immerhin existiert ein Bürgerbuch aus dem Jahre 1695, das aus diesem Jahr bis tief in die badische Zeit, 1824, hineinreicht. Auf Grund der Ettenheimer Stadtrechnungen und dieses Bürgerbuches habe ich 1956 einmal die Ettenheimer Funktionäre von Stadt und Staat für die Zeit ab 1648, Ende des Dreißigjährigen Krieges, für das "Goldene Buch" nach Möglichkeit festgestellt. Veröffentlicht ist nur die Niederschrift über die Zeit 1648-1720. (Ettenheimer Heimatbote vom 17. Oktober 1956)

Dieses Mal sollen die im Jahre 1695 in Ettenheim lebenden Bürger eine Auferstehung feiern. Manches der Ettenheimer Geschlechter, die jetzt noch bestehen, wird sich hierbei wiederfinden, wenn auch in etwas anderer Schreibweise. Es kommen aber auch Namen von Geschlechtern vor, die längst erloschen, sind.

Wieviel Einwohner Ettenheim im Jahre 1695 hatte, ist aus dem Bürgerbuch leider nicht festzustellen. Es sind nur die etwas über 180 Bürger aufgeführt. Nach dem bekannten bischöflichen Visitationsprotokoll vom Jahre 1666 (Siehe "Ortenau" 1932 Seite 9) hatte der Pfarrbezirk Ettenheim einschließlich Weiler, Altdorf und Wallburg, die beide damals zur Pfarrei gehörten, 900 Einwohner. Rechnet man für 1695 auf einen Bürger durchschnittlich 4 Familienangehörige, so käme man einschließlich Weiler auf eine Einwohnerzahl von etwa 720-730. Im Original hier Ende Seite 141 Diese Zahl war 1666 offenbar noch nicht erreicht. Zu berücksichtigen ist, daß nach glücklicher Beendigung des 30jährigen Krieges der Holländische Rachekrieg (1672/78) und der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688/97) des Sonnenkönigs auch unsere Heimat wieder Not, Leid und Elend gebracht haben. Auch der Spanische Erbfolgekrieg (1701/14) ließ unsere Gegend nicht unberührt. So heißt es denn im Bürgerbuch einmal: "Anno 1703 ißt wegen denen Importunen Kriegs Trupplen kheine RathsErneuerung gehalten worden." Die Kriegstrubel waren also sehr inopportun.

Das Verzeichnis der Bürger ist zwar - eine auch, sonst in jener Zeit verkommende Merkwürdigkeit - alphabetisch abgefaßt, aber nicht nach den Vornamen, Es beginnt mit Alexander und endigt mit Wolfgang. Die Schrift ist die uns Älteren und unseren Voreltern noch geläufige, in den letzten Jahren leider außer Kurs gekommene deutsche Schrift. Freilich sind manche Buchstaben, so insbesondere die großen Buchstaben R, F, G, L, anders geschrieben, als es bei uns üblich war. In 3 Fällen konnte ich trotz aller Mühe die Familiennamen nicht entziffern, was bei alphabetische Anordnung der Familiennamen vielleicht möglich gewesen wäre. Im übrigen aber ist die Schrift gewandt und beinahe kalligraphisch zu nennen, an Schnörkeln fehlt es nicht. Interessant ist, daß allen Funktionären (Schultheiß, Bürgermeister, Ratsmitgliedern usw.) die respektvolle Bezeichnung "Herr" vorangestellt ist, während diese sonst fehlt. Auch das heutige Volk spricht in seiner Umgangssprache noch von den "Herren", denen es nicht immer sehr gewogen ist.

Ich habe das Verzeichnis in ein alphabetisches Verzeichnis nach den Familiennamen umgebaut. Wo ein Sterbejahr angegeben ist (in späteren Jahren, nach 1695, beigefügt), habe ich es ebenfalls vermerkt, auch sonstige Notizen. Innerhalb der einzelnen Buchstaben ist die Reihenfolge nicht alphabetisch.

Von 1696 ab sind jeweils die neuen (nachrückenden) Bürger aufgeführt. Von 1704 ab ist auch die jeweilige "Ratserneuerung" protokollarisch festgelegt.

Und nun die Bürger!

Ambß Hans

Albert Michael

Brosi Andreas

Bintz Franz

Bosch Franz Michael

Berger Hans Michael

Buchholtz Hans, + 1701

Braun Hans Michael

Berger Hans

Bikher Hans

Bekh Hans Jakob, + 1698

Büchelin Hans, 1697 in die Pfalz gezogen und Bürgerrecht (B. R.) aufgegeben.

Bekh Hans Wilhelm

Bosch Jakob, zu einem Ratsfreund erwählt 1700.

Bosch Joseph, + 1699

Bauer Jakob der Alt

Bauer Jakob der Jung

Bikher Michael, des Rats, + 1697

Bißer Mathias

Boßert Michael

Barth Michael

Böhm Matias (Weiler)

Caspar Andreas

Colifrath Hans Jakob, des Rats

Carl Hans Christian

Deeß Andreas, + 1698

Dietz Georg, + 1695

Deeß Johannes, hinweggez.1698

Drüsch Mathias

Deeß Michael

Eysinger Joseph

Enderle Martin

Fritsch Adam,+ 1696

Frikhert Georg, des Tars

Fahrlender Hans

Faust Hans Adam

Fisel Hans Simon

Frikhert Jakob

Faber Landelin, + 1698

Finkh Mathias

Gfäller Andreas

Gilg Hans , zu einem Ratsfreund erwählt 1702

Goth Johannes

Gilg Michael, des Rats Im Original hier Ende Seite 142

Gröser Urban

Gilg Hans Georg, Schulmeister zu Habsheim, Elsaß, B. R. vorbeh.

Hör Christoph

Haßler ... (?) Georg

Haberer Hans Konrad, des Rats

Hoog Hans Georg

Hummel Hans

Halter Hans

Hör Hans Jakob

Haaß Hans Jakob

Herbstreith Hans Jakob

Hör Hans Kaspar, dermalen wohnh. zu Sand im Elsaß, sein B. R. vorbehalten, + 1696

Herkombh Jakob, + 1700

Hoog Jakob

Hilß Lorenz

Henninger Marx, zu einem Ratsmitglied erwählt 1699 und nach 8 Tagen gestorben Herbstreith Thomas der Jung

Herbstreith Michael (Weiler), + 1696

Herbstreith Urban (Weiler)

Hug Peter (Weiler)

Hug Johannes (Weiler)

Ibig Georg, Wallburg auf Ettenheimer Bann

Jenger Hans Wilhelm

Jäger Roman, + 1696

Khuner Andreas

Khuner Christian

Khuner Georg

Khurtz Hans Georg, fortgezogen

Khuner Hans

Keyser Jakob, + 1697

Klump Jakob, + 1696

Khuner Mathias, + 1699

König Michael

Khuner Johannes (Weiler)

Künstle Michael (Weiler)

Leib Georg Peter

Lang Hans Ulrich, + 1698

Lützelmann Hans Adam

Leibling Hans Jakob

Laubi Hans Georg, Schaffner des Stifts Waldkirch, B. R. vorbehalten

Landher Joseph, + 1696

Meyeberg Alexander

Metzger Arbogast

Meyer Franz

Müller Georg

Mey Georg

Müller Hans der Beck

Meyer Heinrich, weggez. 1696

Meyeberg Hans Jakob

Müller Hans der Alt

Meinradt Hans Georg

Meinradt Hans Adam

Meyer Hans Jakob

Metzger Jakob, + 1696

Müller Jakob

Müller Martin

Müller Paulus

Markh Simon, des Rats

Müller Sebastian

Meyer Christian, Vogt in Weiler

Meyer Lorenz

Oberle Fridolin, 1697 nach Münchweier gezogen unter Vorbehalt des B. R. zurückgekehrt, + 1699

Oberle Georg, des Rats

Plankh Bartholome, des Rats

Planzmann Hans

Preißcrauth Michael

Pfeiffer Mathias

Pfaff Roman

Plankh Sebastian

Pfaff Thomas

Pradi Thomas

Ringwald Andreas

Reutter Bernhard

Riß Georg

Riekhert Hans

Rohß Hans

Röhr Hans Wilhelm, + 1695

Rueth Hans Michael, dermalen -wohnhaft zu Friesenheim, B. R. vorbehalten, + 1699

Rimprecht Jakob, + 1698

Riß Hans Jakob

Riß Mathias, des Rats

Rothmund Veit

Reble Wolfgang, + 1697

Redlich Michael (Weiler) , weggez. 1697

Sinninger Albrecht

Sichler Bartholome

Sartori Bartholome, zu einem Mitglied des Rats erw. 1697

Sartori Daniel

Sartdari Hans Jakob der Alt., + 1697

Sartori Hans Jakob der Jung

Singer Hans Heinrich

Sichler Hans Jakob, dermalen Schulmeister zu Erstein im Elsaß, B. R. vorbehalten, +1698

Sperri Jakob

Singer Jakob

Seegmüller Lorenz, + 1695

Sartori Melchior, Schultheiß

Sartori Melchior der Jung

Sartori Philipp

Sperri Johannes (Weiler)

Sperri Mathias (Weiler)

Seyler Christian (Weiler) Im Original hier Ende Seite 143

Schärer Andreas der Alt

Schärer Andreas der Jung

Schilling Adam

Schultheiß Andreas

Schärer Barrtholome

Schärer Christrnann, Bürgermeister + 1696

Schwartz Claus, + 1701

Schärer Georg, des Rats

Schrüber Hans David, des Rats, + 1696

Schäli Hans Georg

Schaffelt Hans Michael, weggezogen 1697

Schärer Joseph

Schilling Ulrich

Stach Joseph

Strohm Michael

Thomas Christian, + 1698

Thurrner Hans Michael, fortgezogen 1698 und B. R. aufgegeben

Vix Hans, zu einem Ratsfreund erwählt 1699

Vögele Hans

Vögele Jakob

Vogt Stephan

Welte Augustin

Winterer Konrad, +1696

Willemath Hans

Werber Hans Michael

Winterer Hans

Weibel Hans

Werber Hans Georg

Winterhalter Mathias

Wattenhoffer Melchior

Weeber Sebastian

Wittmeyer Theobald

Ziegler Balthasar

Zu einigen wenigen dieser Namen möchte ich kurze geschichtliche Hinweise geben, wobei aber nur die früheren Jahrhunderte berücksichtigt sind, nicht die neue und neueste Zeit, die wieder andere, z. T. auch oben vorkommende Namen zur Geltung gebracht hat, wobei auf die "Heimatstube" verwiesen werden kann.

Hans Fahrlender dürfte ein Vorfahre des Dr. Sebastian Fahrländer sein (1768-1841), der um 1800 als Exponent der hohen Politik am Hochrhein eine bedeutsame Rolle gespielt hat. (Siehe Ettenheimer Heimatbote vom 3./4.Mai 1956).

Hans Jakob Leibling ist sicherlich identisch, mit dem Hans Jakob Leibling, der 1701 in der Ettikostraße (ehemal. Haus Wehrle) die Zunftstube für die Acker- und Rebbauernzunft zu errichten sich verpflichtete. (Siehe Ettenheimer Heimatbote vom 15. Dez. 1956). Die Leibung nannten sich später Leible und gehören zu den Vorfahren des Dichters Scheffel. Von ihnen stammt das Kreuz außerhalb des Ringheimer Tores von 1748. Siehe "Ortenau" 1941, Seite 9 und neuerdings eine eingehende Darstellung der Vorfahren Scheffels von Landrat a. D. Paul Strack in Lahr, Alemannisches Jahrbuch 1958, S. 361flg. (auch Sonderdruck), Lahr, Schauenburg.

Alexander Meyeberg gehört zu der Sippe, die mit der Inschrift am Türsturz des Vennemann'sehen Hauses (1731) und mit dem Kreuz zum guten Rat (1763) zusammenhängt. Näheres siehe "Miniaturen aus Ettenheim" Seite 12/13.

Einen eindrucksvollen Hinweis auf die Vergänglichkeit alles Irdischen stellt die Sippe Sartori dar, die in der Geschichte Ettenheims immer wieder auftaucht, aber heute im Mannesstamm erloschen ist. Nicht weniger als 6 Bürger Sartori erscheinen im Verzeichnis, darunter Melchior Sartori, der schon 1695 Schultheiß war und noch 1723 als solcher erscheint. Siehe "Miszellen aus Vergangenheit und Gegenwart des Bezirks Ettenheim" Seite 76 und 84/85, ferner "Miniaturen aus Ettenheim", wo Einzelheiten über die Familie Sartori dargestellt sind.

Nicht jeder Einwohner einer Gemeinde war in früheren Jahrhunderten "Bürger". Den Gegensatz bildeten die sog. Hintersassen, die kein Bürgerrecht besaßen. Ob und bejahendenfalls wieviel Hintersassen im Jahre 1695 in Ettenheim vorhanden waren, darüber enthält das Bürgerbuch nichts und konnte ich bisher auch anderweitig nichts feststellen. Jeder Bürger in Ettenheim mußte bei seiner Aufnahme als solcher einen Bürgereid leisten, mit dem er auch allerhand Verpflichtungen übernahm. Im Original hier Ende Seite 144 Der Wortlaut dieses Bürgereides ist im Bürgerbuch wiedergegeben. Neben dem Bürgereid gab es noch einen Schultheißeneid, einen Bürgemeistereid, einen Steurmeistereid und einen Ratsverwandteneid. (Eid der Ratsmitglieder).

Wie sich der Ettenheimer Amtmann als "Amt für öffentliche Ordnung" betätigte, ist aus einem Protokoll vom 30. Januar 1707 ersichtlich. - Doch, über all dies später einmal.

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