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Ferdinand,
Dr. Johann Baptist, Neue Miszellen aus Heimat und Landschaft, Band 2
(1954-1959)
162 S.
18. Artikel: Nachklänge der Ära Rohan in Ettenheim. S. 53-56
In der Geschichte um Kardinal Rohan und den Herzog von Enghien
spielt die Sippe Diss eine gewichtige Rolle. Ein Oberförster und Leibjäger
Diss kam 1790/91 mit dem Kardinal von Zabern nach Ettenheim. Später lebte eine
Reihe von Diss in Rheinau im Elsaß, gegenüber von Kappel am Rhein. Der
älteste Sohn des Leibjägers, Josef, war geboren in Zabern am 9. November 1780
und starb in Rheinau am. 30. Oktober 1864. Dieser war von 1804 bis 1814 in
französischem Militärdienst, zur Zeit der Verhaftung Enghiens - 15. März 1804
- aber offenbar noch in Ettenheim. Von ihm nämlich stammt ein. Bericht über
die Verhaftung Enghiens, der im Festbuch des Männergesangvereins Ettenheim von
1912 abgedruckt ist. Nach diesem Bericht war Josef Diss in den letzten
Lebensjahren des Kardinals offenbar selbst Leibjäger des Fürstbischofs. Er
spricht auch von seinem Vater, der mit noch anderen Freunden und Nachbarn des
Prinzen zur Belzmühle mitgenommen, nach Identifizierung aber wieder
freigelassen, worden sei. Enghien habe ihn im Vorbeigehen mit "Adieu,
Josef" begrüßt. Dieser Jos. Diss diente als Leutnant im Korps
Davoust bis zur Abfahrt Napoleons nach Elba, Mai 1814. Nach Napoleons Rückkehr,
März 1815, war er mit Hauptmannsrang bei der Verteidigung von Neu-Breisach
eingesetzt, wo seine militärische Karriere zu Ende ging.
Er hat dann in Rheinau gelebt und nach den mir vorliegenden Handschriften auch
Nachkommen hinterlassen.
Der alte Diss hatte offenbar eine Reihe von Kindern - die Nachforschungen darüber sind noch nicht abgeschlossen -, Söhne und Töchter. Eine Tochter verehelichte sich mit einem gewissen Spillmann, der Leibgardehusar des Kardinals war. Eine weitere Tochter wurde die Frau des späteren Bürgermeisters Gschrey von Ettenheim, dem 1841 die Gründung der Bürgerschule zu danken ist. Er war auch Landtagsabgeordneter. Ein Bild, von ihm hängt in der Ettenheimer Heimatstube. Ursprünglich war Gschrey Aktuar des 1809 entstandenen Großh. Bezirksamtes Ettenheim. Noch 1827 erscheint er als solcher im Geburtsregister von Ettenheim unterm 9. März mit der Geburt einer Tochter Emmeline. Dort heißt er "Franz Wilhelm von Gschrey". - Ein Sohn Franz und ein Sohn Louis, Brüder des erwähnten Jos. Diss, sind als Teilhnehmer des Feldzugs 1813 erwähnt.
Ein Franz Joseph Diss, 32 Jahre alt, seit mehreren Jahren in Ettenheim wohnend, Sohn des Franz Josef Diss, "pensionierten Büchsenspanners des höchsteligen Bischofs und Kardinals von Rohan", und der Maria Anna Werger, verehelichte sich am 28. August 1814 mit Franziska Meroth. Eine Magdalena Meroth, offenbar eine Schwester der Franziska, war mit dem herrschaftlichen Akzisor Jos. Laible verheirate. Als dieser am 13. September 1814 einen Sohn Willibald bekam, war Franz Jos. Diss, "Exlieutnant der französischen Douanen", Taufzeuge, offenbar als Schwager der Mutter. Als er am 8. August 1815 eine 3 Monate alte Tochter Ida durch Tod verlor, erscheint er im Sterberegister als "französischer Offizier". Möglicherweise war er 1815, als die Alliierten zum zweiten Mal gegen Napoleon kämpften, wieder in französische Dienste getreten. Da er bei seiner Verehelichung 32 Jahre alt war, muß er im Jahre 1782 geboren sein. - Ob der "Büchsenspanner" mit dem ehemaligen Oberförster und Leibjäger identisch ist, steht noch dahin. - Vom Abbé Michel aus dem Gefolge Rohans haben nach einer Notiz in den Handschriften alle Dissenkinder einschließlich der Frau Spillmann passabel Latein gelernt .
II. Der letzte fürstbischöflich-straßburgische Stadt- und Amtsschreiber war Fr. Xaver Sartori aus der früher in Ettenheim blühenden Familie Sartori, geb. 1738, gestorben 1808, Grabplatte an der Kirchhofmauer hinter dem Kirchenchor. (Siehe "Miniaturen aus Ettenheim", Seite 52/53).
Dessen Sohn Anton hatte Jura studiert und war, als im Herbst 1802 Frh. von Roggenbach den Übergang der Herrschaft Ettenheim an Baden vor-bereitete, seinem Vater bei dessen Amtsgeschäften behilflich. Als Enghien im März 1804 verhaftet wurde, war dieser Anton Sartori ebenfalls anwesend und erstattete in seiner Eigenschaft als Regierungsadvokat über seine Wahrnehmungen, einen Bericht an das Oberamt Mahlberg. Ettenheim war nämlich seit dem Übergang an Baden zunächst - bis 1809 - dem Oberamt Mahlberg unterstellt, das als badische Amt schon seit 1629 bestand. Vorsteher des Amts war der genannte Frh. von Roggenbach. A. Sartori war offenbar detachierter Beamter des Amtes Mahlberg für Ettenheim. Seinen Bericht über die Vorgänge bei der Verhaftung Enghiens hat der verdienstvolle Professor Dr. Batzer, der Gründer des Historischen Vereins für Mittelbaden (leider schon 1938 gestorben), im Heft 1931 der Zeitschrift "Die Ortenau" veröffentlicht.
Nach Gründung des Amtes Ettenheim im Jahre 1809 war dieser
Anton Sartori Amtsrevisor beim Bezirksamt Ettenheim. Als solcher wird er schon
am 7. September 1810 bezeichnet, als er einen Sohn Franz Xaver (offenbar nach
dem Großvater benannt) durch den Tod verlor. Verheiratet war er mit Konstantina
von Hermann aus Waldshut. Das Amtsrevisorat war die juristische Abteilung des
Bezirksamts, die Geschäfte der Justiz zu erledigen hatte. (Näheres in meiner
Schrift
"Das Amtsgericht Ettenheim nebst Amtsgefängnis", 1927,
Seite 7/8. Die Angaben Seite 7 unten, beziehen sich auf Anton Sartori,
nicht auf Xaver S.). - Am 23. März 1811 wurde dem Anton S. eine Tochter Maria
Antonia Josepha geboren, wobei als Tauf zeugen der Kaufmann Xaver Kilian in
Waldshut und die ledige Josepha von Hermann in Waldshut fungierten. Anläßlich
der Geburt eines Sohnes Franz Anton Albert am 6. März 1812, erscheint als Patin
Maria Anna v. Hermann, ledige Tochter des gewesenen Oberamtmanns Anton von
Hermann in Waldshut. Und als am 26. November 1813 dem A. S. eine Tochter
Agnes Wilhelmine Mathilde geboren wurde, erscheint als Tauf zeuge Benedikt von
Hermann, Kaufmann in Waldshut, und als Patin Maria Anna von Hermann, ledig, in
Waldshut, - Wie man sieht, muß damals ein reger Familienverkehr zwischen
Ettenheim und Waldshut bestanden haben. - Kilian und von Hermann gab es
übrigens noch 1909 in Waldshut.
Ein Sohn Karl des Stadt- und Amtsschreibers Xaver Sartori starb am. 31. März 1809 im K. K. Spital Ulrichskirchen, 27 Jahre alt, Oberleutnant im 4. Kürassierregiment.
Über die Familie Sartori finden sich einige Notizen in den "Miszellen" Seite 84/85 und in den "Miniaturen", Seite 12/13.
III. Als der Kardinal von Rohan im Dezember 1890 - nach vorübergehendem Aufenthalt im Kloster Ettenheimmünster - nach Ettenheim kam, brachte er einen ansehnlichen Hofstaat mit. Zur teilweisen Unterbringung dieses Gefolges erwarb er vom Frh. von Türckheim in Altdorf den sog. Stammhof. Ettenheim wurde so zur Residenz und blieb es bis zum Tode des Kardinals im Februar 1803. Unmittelbar darauf wurde Ettenheim badisch.
Aber noch auf Jahrzehnte hinaus tauchen Erinnerungen an die Rohan-Zeit in Ettenheim auf. Manche aus dem Gefolge Rohans blieben in Ettenheim hängen und fanden da eine neue Heimat.
1. Der Leibarzt Rohans, der mit diesem von Zabern nach
Ettenheim gekommen war, Heinrich Ehrhardt, wurde in den badischen Staatsdienst
übernommen - ähnlich wie Anton Sartori - und versah das Amt eines
"Oberlandchirurgen" ("Oberheb- und Wundarzt") zunächst im
Amtsbezirk Mahlberg, dann beim Amt Ettenheim, also nach heutigen Begriffen die
Funktion eines Amtsarztes. Als solcher erscheint er mehrfach in den alten
Registern. Er war in zweiter Ehe mit Euphrosyne Riss aus Ettenheim verheiratet
und starb in Ettenheim am 15. August 1832. Mehrere Kinder gingen in jugendlichem
Alter mit Tod ab. Eine Tochter lebte in Ettenheim bis 1847. Alle drei am Leben
gebliebenen Söhne gingen in den Postdienst. Der Zweitälteste, Heinrich, war
einige Zeit bei der Post in Ettenheim tätig, der jüngste, Eduard, geb. 10. Mai
1822 in Ettenheim, versah einige Zeit die Bahnpoststelle beim Bahnhof Orschweiar.
In diesem Zusammenhang eine kur^e Bemerkung über das Postwesen, in Ettenheim.
Erst im Jahre 1811 ging die Verwaltung über das Postwesen von Thurn und Taxis
auf den badischen Staat über, der es bis 1.1.1872 (Übergang auf das Reich)
verwaltete. Bis zum Jahre 1839 mußte Ettenheim seine Post durch Amtsboten in
Kippenheim. abholen lassen, da es abseits der Hauptstraße lag. 1839 wurde dann,
das sog. Zollhaus an der Hauptstraße erbaut, und hier gaben die Eilwagen
Frankfurt-Basel die Post für Ettenheim ab. Im gleichen Jahre erst wurde in
Ettenheim eine eigentliche Postanstalt errichtet, und der erste Amtsvorsteher
war der "Postexpeditor" Ehrhardt (Heinrich). Dieser kam später als
Postexpeditor nach Müllheim und starb dort 1862. (Die Mitteilungen über die
Ehrhardts verdanke ich Herrn Apotheker Wilhelm Ehrhardt in Radolfzell, einem
Enkel von Eduard Ehrhardt und Urenkel des Rohanschen Leibarztes. - Die Angaben
über die Post in Ettenheim sind den Mitteilungen von Postsekretär Hitz im
Festbuch des Männergesangvereins aus dem Jahre 1912 entnommen.
Hier ist Ehrhardt ausdrücklich als erster Postexpeditor von Ettenheim erwähnt.
- Ein Metallsiegel mit der Umschrift "Großh. Bad. Postexpedition
Ettenheim" ist im Besitz des Verfassers, der es aus Baden-Baden geschenkt
erhielt. Es stammt nach obigem aus der Zeit 1839-1871).
2. Am 15. Oktober 1812 verehelichte sich Johann Georg Stahl "pensionierter Gärtner des verstorbenen Fürstbischofs und Kardinals von Rohan, mit Magdalena Franz, Witwe des Johann Georg Keller in Wiedensolen (Elsaß).
Am 22. September 1816 wird Rosa Courjean geboren, ein Enkelkind des gestorbenen Anton Courjean, gewesenen Dieners des Kardinals und Fürstbischofs Rohan.
4. Am 6. November 1815 verstirbt Anton Dumanceau, gewesener Diener Rohans, 82 Jahre alt, Witwer der Genoveva Trouvoit.