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Allgemeines
zur Weisheit in Israel ![]()
Fünf Bücher des Alten Testaments werden "Weisheitsbücher" genannt. Es sind dies die Bücher Ijob, Kohelet, das Buch der Sprüche und die deuterokanonischen Schriften Jesus Sirach und Weisheit.
Gewöhnlich wird auch noch das Hohelied dazugezählt, weil es der Tradition nach ja von Salomon stammt. Es gehört natürlich im strengen Sinne nicht zu den Weisheitsbüchern.
Wenn man den Begriff Weisheitsliteratur nicht nur auf die eigentlichen Weisheitsbücher beschränkt, dann gehören auch eine Fülle anderer Schriften des Alten Testamentes in diesen Rahmen hinein. Manche Psalmen, prophetische Äußerungen und Teile der Bücher Tobit und Baruch gehören zu dieser weisheitlichen Strömung.
Um nicht einer falschen Vorstellung aufzusitzen, was die Weisheitsbücher betrifft, muss man sich darüber klar werden, was "Weisheit" in Israel bedeutet.
"Weisheit"
meint zunächst weniger die Fähigkeit, theoretisch-grundsätzliche Fragen zu
beantworten. Weisheit ist in Israel zuallererst die Fähigkeit, sich im
Lebensalltag zurechtzufinden; und das heißt ganz einfach, die Fähigkeit mit
den Dingen und den Menschen zurechtzukommen.
So ist Weisheit etwa
Weisheit ist also kurz gesagt ein Erfahrungswissen.
Dieses Erfahrungswissen beruht auf
Aus solchen Beobachtungen und Zuordnungen gewann man Einsichten in die vorgegebene Ordnung - sei es jetzt in die Ordnung der Natur oder in die der zwischenmenschlichen Bezüge.
Diese Einsichten drückte man nun in einer bildkräftigen und meist in Parallelismen gegliederten Sprache aus. Dadurch wurden sie leichter merkbar und auch gezielter anwendbar.
Solche Sentenzen, in denen sich die einmal gemachte Erfahrung
niedergeschlagen hatte, wurden dann gesammelt und diese Sammlungen wurden
weitergegeben: es entstand eine Tradition. ![]()
Solche Traditionen gewinnen aber im Laufe der Zeit immer größere Autorität (Ijob 8,8). So beschäftigen sich letztendlich ganze Weisheitsschulen mit den gesammelten Erfahrungen der Vorfahren. Diese Gelehrtenkreise pflegten die alten Grundsätze der Weisheit.
Die Grundsätze dieser Weisheit kann man ganz einfach mit dem Ziel umschreiben,
Die Bücher der israelitischen Weisheitsliteratur finden sich
in der hebräischen Bibel vorwiegend unter den
["ketubim"], den "übrigen Schriften",
also dem jüngsten Teil des alttestamentlichen Kanons.
Deshalb hat man vermutet, dass die Weisheit so etwas wie ein Spätphänomen in Israel sei.
Tatsächlich ist sie nichts spezifisch Israelitsches, sondern gemeinorientalisch.
So gibt es eine
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das AT selbst in
seinen Spruchsammlungen ausländische Verfasser erwähnt. ![]()
Vor allem Ägypten scheint die israelitische Weisheit
beeinflusst zu haben. ![]()
Solche Beziehungen zeigen allerdings, dass Weisheit keineswegs erst dem nachexilischen Israel bekannt wurde.
Ein Hinweis darauf ist schon die Tatsache, dass immer wieder von der Weisheit Salomos berichtet wird (1 Kön 3; 5,9ff) und er als eigentlicher Verfasser der Weisheitsbücher gilt.
Hier dürfte sich sicher die Erinnerung daran niedergeschlagen haben, dass einzelne Sprüche oder auch kleinere Sammlungen in die frühe Königszeit zurückreichen.
Auch die Propheten setzen immer wieder die Weisheit voraus und
nehmen positiv
oder auch kritisch
auf sie Bezug.
Ein wichtiger Hinweis auf den Sitz im Leben der israelitischen Weisheit findet sich in Spr 25,1. Dort heißt es, dass die Männer Hiskijas, des Königs von Juda, die folgenden Sprüche zusammengestellt hätten.
Weisheit wurde also am Königshof gepflegt.
Der König bedurfte natürlich einer ganzen Reihe weiser Ratgeber (2 Sam 16,23; Gen 41,33). Man geht davon aus, dass es daher eine regelrechte Schule für Beamte in Jerusalem gab.
Doch haben wir hier vermutlich noch nicht den ursprünglichen "Sitz im Leben" der Weisheit. Er ist wahrscheinlich ganz einfach in der Familie zu suchen.
In der Familie fand schließlich vor allem die Erziehung
statt. Hier dürften diese Lebensweisheiten zuallererst tradiert worden sein. ![]()
Es könnte also sein, dass die höfischen Weisen in späterer
Zeit lediglich schon vorgegebenes und damit älteres Gut "gesammelt"
(vgl. Spr 25,1) haben. ![]()
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Letzte Änderung: 2. Februar 2004