Während im Buch Ester lediglich Teile in griechischer Sprache hinzugefügt wurden, das Buch selbst aber auf Hebräisch vorliegt, haben wir das Buch Judit lediglich in einer griechischen Übersetzung erhalten. Das hebräische Original des Buches ist verlorengegangen.
Die griechischen Texte, die uns erhalten sind, treten dabei in drei verschiedenen Fassungen auf. Diese unterscheiden sich nicht unerheblich voneinander.
Dazu kommt, dass die lateinische Übersetzung des Hieronymus, die Vulgata, noch einmal einen stark abweichenden Text bietet.
Hieronymus gibt zwar an, dass er das Buch aus einer aramäischen Version übersetzt habe, vermutlich hat er allerdings lediglich eine ältere lateinische Übersetzung unter Zuhilfenahme einer aramäischen Paraphrase noch einmal überarbeitet.
Es geht auch im Buch Judit um die Errettung des auserwählten Volkes durch die mutige Tat einer Frau.
Der Hintergrund der Erzählung ist die Bedrohung durch die Assyrer. Das kleine jüdische Volk sieht sich der gewaltigen Streitmacht Nebukadnezzars gegenüber, die durch den Feldherrn Holofernes angeführt wird.
Holofernes hat den Auftrag, dem König der Assyrer die ganze Welt zu unterwerfen und alle auszurotten, die einen anderen als den vergöttlichten Nebukadnezzar verehren.
Das Büchlein schildert nun, wie die Juden in Betulia belagert werden. Weil das Wasser ausgeht, steht die Stadt kurz davor, sich ergeben zu müssen.
Da erscheint Judit, eine junge Witwe, schön, klug, gottesfürchtig und tatkräftig, und rüttelt das Volk auf. Sie wirft den Führern der Stadt Mangel an Gottvertrauen vor.
Danach betet sie, schmückt sich, verlässt Betulia und lässt sich vor Holofernes führen.
Mit allerlei Verführung und List schafft sie es letztendlich, mit dem betrunkenen Holofernes allein gelassen zu werden. Diesen Augenblick nutzt sie aus und schlägt dem assyrischen Feldherrn den Kopf ab.
Als die Assyrer dies am anderen Morgen entdecken, fliehen sie in panischem Schrecken und die Juden können das assyrische Lager plündern.
Das Volk rühmt daraufhin die Tapferkeit und den Mut Judits und begibt sich zur feierlicher Danksagung nach Jerusalem.
Im einzelnen gliedert sich das Buch Judit folgendermaßen:
| I. | Jdt 1,1-3,10 | Die Bedrohung |
| Jdt 1,1-6 | Der Krieg zwischen Nebukadnezzar und Arphaxad | ||
| Jdt 1,7-12 | Der vergebliche Hilferuf an die Nachbarvölker | ||
| Jdt 1,13-16 | Der Sieg über Arphaxad | ||
| Jdt 2,1-3 | Der Plan Nebukadnezzars | ||
| Jdt 2,4-13 | Der Auftrag des Holofernes | ||
| Jdt 2,14-20 | Die Aufstellung des Heeres | ||
| Jdt 2,21-27 | Der Kriegszug des Holofernes | ||
| Jdt 2,28-3,8 | Die Besetzung der Reiche an der Meeresküste | ||
| Jdt 3,9-10 | Die Bedrohung des Gottesvolkes |
| II. | Jdt 4,1-7,32 | Das Gottesvolk in großer Bedrängnis |
| Jdt 4,1-3 | Die Gefahr | ||
| Jdt 4,4-8 | Die Vorbereitung des Widerstandes | ||
| Jdt 4,9-15 | Das Flehen zu Gott um Rettung | ||
| Jdt 5,1-4 | Der Kriegsrat des Holofernes | ||
| Jdt 5,5-21 | Die Rede des Ammoniters Achior | ||
| Jdt 5,22-24 | Die feindliche Reaktion des Heeres | ||
| Jdt 6,1-9 | Die Rede des Holofernes an Achior | ||
| Jdt 6,10-13 | Die Auslieferung Achiors | ||
| Jdt 6,14-21 | Achior in Betulia | ||
| Jdt 7,1-7 | Der Anfang der Belagerung von Betulia | ||
| Jdt 7,8-15 | Die Rede der Heerführer an Holofernes | ||
| Jdt 7,16-18 | Die Verzögerungstaktik des Holofernes | ||
| Jdt 7,19-22 | Der Wassermangel in Betulia | ||
| Jdt 7,23-29 | Die Verzweiflung der Bewohner von Betulia | ||
| Jdt 7,30-32 | Usijas ermutigende Antwort |
| III. | Jdt 8,1-16,25 | Die Rettung des Gottesvolkes |
| Jdt 8,1-8 | Herkunft und Leben der Judit | ||
| Jdt 8,9-10 | Judits Stellung zur Verzweiflung der Bewohner | ||
| Jdt 8,11-36 | Judits Gespräch mit den Ältesten der Stadt | ||
| Jdt 9,1-14 | Judits Gebet | ||
| Jdt 10,1-19 | Judits Gang ins feindliche Lager | ||
| Jdt 10,20-23 | Die Begegnung mit Holofernes | ||
| Jdt 11,1-23 | Das Gespräch des Holofernes mit Judit | ||
| Jdt 12,1-9 | Judits Sorge um die rituelle Reinheit | ||
| Jdt 12,10-20 | Judit beim Mahl des Holofernes | ||
| Jdt 13,1-10 | Judits Rettungstat | ||
| Jdt 13,11-17 | Judits Rückkehr nach Betulia und der Jubel des Volkes | ||
| Jdt 13,18-20 | Usijas Lob für Judit | ||
| Jdt 14,1-5 | Judits Anweisungen | ||
| Jdt 14,6-10 | Achiors Lob für Judit und seine Bekehrung | ||
| Jdt 14,11-19 | Die Verwirrung der Assyrer | ||
| Jdt 15,1-7 | Die Flucht der Assyrer | ||
| Jdt 15,8-14 | Der Jubel über Judit | ||
| Jdt 16,1-17 | Judits Lobgesang | ||
| Jdt 16,18-20 | Das Siegesfest in Jerusalem | ||
| Jdt 16,21-25 | Die letzten Jahre Judits |
Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde das Buch um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. geschrieben. Es entstand vermutlich in Palästina und zwar in einer Zeit nationaler und religiöser Begeisterung, so wie sie auch schon beim Aufstand der Makkabäer herrschte.
Auf eine solch späte Abfassungszeit weist vor allem die literarische Eigenart des Buches hin. Das Buch Judit will schließlich alles andere als ein Bericht über ein tatsächliches, historisches Ereignis sein.
Wenn man das Buch aufmerksam durchgeht, dann fallen schon eine ganze Reihe von sicherlich bewussten Geschichtsverdrehungen auf.
Es scheint, dass der Verfasser absichtlich solche Orts- und Geschichtsverdrehungen gehäuft hat. Er möchte die Aufmerksamkeit aus einem bestimmten historischen Zusammenhang herauslösen. Der Leser soll sich voll und ganz auf den religiösen Konflikt und seine Lösung konzentrieren.
Das Buch Judit ist dementsprechend eine geschickt verfasste Lehr-Erzählung.
Dabei fällt auf, dass eine ganze Reihe der Elemente, die dieses Buch verwendet, eng mit den Apokalypsen verwandt sind:
Dieses Volk - und damit die Partei Gottes - scheint der Ausrottung geweiht zu sein. Aber Gott erringt durch die schwachen Hände einer Frau einen Triumph. Daraufhin zieht das heilige Volk hinauf nach Jerusalem.
Hier klingen Motive an, die auch in den Büchern Daniel, Ezechiel und Joël begegnen.
Hinzu kommt, dass das Geschehen sich - nach den Angaben des Buches - in der Jesreel-Ebene abspielt. Wir befinden uns also in ummittelbarer Nähe zur Ebene von Harmagedon. Dorthin verlegt die neutestamentliche Apokalypse des Johannes ja die eschatologische Schlacht (Offb 16,16). Das Buch Judit ist eine Parallele zu dieser Schilderung.
Dabei ist wichtig, dass der Sieg Judits - in der Schilderung dieses Buches - eine Belohnung darstellt, und zwar Belohnung
Und dennoch ist die Perspektive des Buches nicht einfach auf Israel beschränkt. Das Buch hat universalistische Züge:
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Letzte Änderung: 15. März 2011