Jona

Von ähnlich universalitischem Geist wie das Buch Rut ist das Buch Jona. Dieses Buch findet sich in allen Ausgaben der Bibel im Zwölfprophetenbuch. Von seinem Thema her ist diese Einordnung auch durchaus verständlich, doch ist das Buch Jona eigentlich alles andere als ein klassisches Prophetenbuch.

1. Das Jona-Buches und der Prophet Jona

Das Buch Jona wird an keiner Stelle als Prophetenbuch oder als Werk eines Propheten bezeichnet.

Es ist keine Sammlung von Prophetenworten, sondern eine Prophetenerzählung in Prosa. In der kunstvollen literarischen Gestaltung steht das Jonabüchlein der Rahmenerzählung des Buches Ijob oder auch den Büchern Rut und Ester nahe.

Man kann es geradezu als eine Novelle mit lehrhaftem Charakter und - besonders in Kapitel 4 - sogar mit ironischen ja selbst komischen Zügen bezeichnen.

Es ist die Geschichte von einem ungehorsamen Propheten, der sich zuerst seiner Sendung entziehen will, seinen Auftrag letztlich aber doch ausführen muss. Am Ende beklagt er sich dann bei Gott über den unerwarteten Erfolg seiner Predigt.

Der Prophet Jona, dem die Abenteuer des Jona-Buches zugeschrieben werden, ist der in 2 Kön 14,25 erwähnte Jona, der in der Zeit Jerobeams II. gewirkt hat.

Doch kann das Buch kaum von diesem Propheten Jona stammen.

2. Zur Entstehungszeit des Jona-Buches

In Denkart und Ausdrucksweise gibt es zwar Ähnlichkeiten zu Jeremia und Ezechiel, die Sprache ist aber insgesamt eher als sehr spät zu bezeichnen.

Nach allen Indizien wurde das Buch wohl im 5. Jahrhundert, also in deutlich nachexilischer Zeit, abgefasst. Manche - wie etwa Werner H. Schmidt - gehen sogar von einer Abfassung im 4. oder gar erst 3. Jahrhundert v. Chr. aus.

Dabei ist der Psalm in Jona 2,3-10 vermutlich eine eigene literarische Einheit. Er nimmt keinerlei Bezug auf die konkrete Situation des Jona. Er ist auch in einer anderen literarischen Form als der Rest des Jona-Buches gehalten und hat keinerlei Beziehung zur Lehre des Buches. Vermutlich wurde er vom Verfasser des Jona-Buches einfach eingeschaltet oder auch später hier eingefügt.

3. Übersicht

Der Inhalt des Jona-Buches gliedert sich folgendermaßen:

 

I. Jona 1-2 Zu Wasser
Jona 1,1-3 Einführung: Beauftragung und Flucht
Jona 1,4-16 Auf dem Schiff: von Sturmgefahr bis zur Windstille
Jona 2,1-11 Jona drei Tage und Nächte im Bauch des Fisches
Jona 2,3-10 Dankpsalm (wohl Zusatz)
II. Jona 3-4 Auf dem Lande
Jona 3 Neuer Auftrag (Jona 3,1-3), Verkündigung in Ninive (Jona 3,4), Bußfasten von Mensch und Tier (Jona 3,5-9) und Gottes Reue (Jona 3,10)
Jona 4  Jonas Zorn über Gottes Gnade

4. Die Intention des Jona-Buches

a. Eine Lehr Erzählung

Rekonstruktion der Ziegelsteinmauer Ninives mit den verzierten Toren, die Sanherib zur Befestigung der Stadt erbaut hatte.

Das Jona-Buch will keinen historischen Bericht liefern. Die Elemente, die es benutzt sind viel zu phantastisch, um wirklich historische Schilderungen sein zu wollen.

Das Ganze ist mit einem unverhüllten Spott erzählt, wie er der Geschichtsschreibung ganz fremd ist.

Wir haben es hier mit einem Vorspiel auf die literarische Form des Midrasch zu tun. Das Buch will ganz einfach gefallen und dann natürlich auch belehren. Es ist eine kunstvolle Lehr-Erzählung, die in ihrem Heilsverständnis einen Höhepunkt des Alten Testamentes darstellt.

b. Die Unheilsdrohung ist eine bedingte Drohung

Im Jona-Buch wird nämlich mit jeder engherzigen Auslegung der Weissagungen Jahwes gebrochen. Selbst die nachdrücklichste Drohung ist hier Ausdruck des barmherzigen Willens Gottes. Gott wartet nur auf ein Zeichen der Reue, um Vergebung zu gewähren.

Das heißt, dass die göttlichen Unheilsbeschlüsse immer nur bedingungsweise getroffen werden. Die Androhung des Jona geht dementsprechend auch nicht in Erfüllung. Aber weil Gottes eigentlicher Wille auch nicht das Eintreten seines angekündigten Strafgerichtes sondern die Umkehr ist, war die Mission des Propheten so gesehen ein voller Erfolg (vgl. Jer 18,7-8).

c. Der Universalismus des Jona-Buches

Das Buch Jona bricht mit dem Partikularismus, in dem die nachexilische Gemeinde Israels sich abzukapseln versucht war. Es predigt einen außerordentlich offenen und weiten Universalismus.

In der Jona-Geschichte ist die ganze Welt sympathisch:

Ausgerechnet von seinem erbittertsten Feind, dem König von Assur wird im Jona-Buch Israel das Beispiel aufrichtiger Unterwerfung gegeben.

So wird alle Welt sympathisch geschildert bis auf den einzigen Israeliten der auftritt, und das ist der Prophet Jona.

Aber Gott ist barmherzig mit allen, er ist sogar nachsichtig mit seinem rebellischen Propheten.

5. Zur Wirkungsgeschichte des Jona-Buches

Das Jona-Buch steht in diesem Punkt dem Evangelium ganz nahe. In Mt 12,41 und Lk 11,29-32 wird die Bekehrung der Niniviten als Vorbild genannt und damit auf das Jona-Buch Bezug genommen.

Mt 12,40 sieht in dem im Bauch des Ungeheuers eingeschlossenen Jona eine Vorausdarstellung für das Weilen Jesu im Grab.

Hier weist das Jona-Buch weit über das Alte Testament hinaus.

Anmerkungen

1) Vgl.: Alfons Deissler, Anton Vögtle (Hrsg.), Neue Jerusalemer Bibel (Freiburg / Basel / Wien 1985) 1032-1033; Werner H. Schmidt, Einführung in das Alte Testament (Berlin / New York 4. Auflage 1989) 286-288.

2) Vgl.: Werner H. Schmidt, Einführung in das Alte Testament (Berlin / New York 4. Auflage 1989) 286.

3) Vgl.: Werner H. Schmidt, Einführung in das Alte Testament (Berlin / New York 4. Auflage 1989) 287.

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Letzte Änderung: 15. März 2011