Das Buch Obadja ist das kürzeste der prophetischen Bücher. Es besteht lediglich aus 21 Versen.
Obadja setzt die Ereignisse der Katastrophenjahre 597/587 v. Chr. bereits voraus. Das Buch scheint dabei gewisse Begleiterscheinungen aus nächster Nähe, vielleicht aus eigener Erfahrung, zu beschreiben.
Die wichtigste davon ist, dass die Edomiter, die sich zuvor an einer antibabylonischen Koalition beteiligt hatten, bei Jerusalems Untergang zu schadenfrohen Feinden wurden. Sie haben die judäischen Flüchtlinge anscheinend verfolgt und ausgeliefert (Obd 14). Diese Darstellung des Obadja-Buches ist historisch durchaus glaubhaft.
Edoms Feindseligkeiten und Israels Feindschaft gegen Edom
spiegeln sich in einer Reihe exilisch-nachexilischer Texte wider. ![]()
Über Obadja selbst ist sonst nichts bekannt. Man hat daher auch angenommen, dass sein Name ein Symbol-Name ist. Obad-Ja bedeutet schließlich übersetzt nichts anderes als "Knecht Jahwes". So könnte hier einfach eine Bezeichnung des Propheten vorliegen.
Ähnliches vermutet man auch hinter dem Namen des Propheten Maleachi. Maleachi heißt soviel wie "mein Bote". Auch hier könnte ein Symbol-Name, eine Prophetenbezeichnung, vorliegen, die man später mit dem Namen des Propheten identifiziert hat.
Werner H. Schmidt sieht in Obadja einen Propheten, der in
unheilvoller Zeit als Offenbarung Gottes das Gericht über Edom und die
Völker ankündigt. ![]()
Der natürliche Sitz im Leben des Büchleins ist für Alfons
Deissler der Trauer- und Klagegottesdienst, der alljährlich an den
Gedenktagen der Eroberung Jerusalems und der Tempelzerstörung im
Trümmergelände stattfand. ![]()
Werfen wir einen Blick auf den Aufbau des Büchleins:
| Obd 1-14. 15b | Drohungen gegen das angeredete
Edom und Begründung: Hochmut der Felsenbewohner (Obd 3-4), Gewalttat am Brudervolk Jakob / Israel (Obd 10ff) |
| Obd 1 | Aufruf zum Kampf der Völker gegen Edom | ||
| Obd 1-4. 5 | entsprechen Jer 49,14-16 und 49,9 | ||
| Obd 8 | Edoms berühmte Weisheit (Jer 49,7 u. a.) wird zuschanden |
| Obd 15a. 16-18 | Gericht über die Völker (vgl. Joël
4; Jes 34) Die Völker trinken Jahwes Zornesbecher (vgl. Jer 25,15ff u. a.) |
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| Obd 19-21 | Drei Ergänzungen in Prosa(?) Obd 19 und 20 schließt an Obd 17b; Obd 21 schließt an Obd 17a an. |
Trotz der Kürze des Buches gibt es Unstimmigkeiten über die Einheitlichkeit von Obadja.
Fast die Hälfte der Verse (Obd 2-9) finden sich nämlich auch gleichlautend in Jer 49,7-22. So hat man diesen Abschnitt auch Jeremia zuschreiben wollen.
Nach Alfons Deissler scheinen aber beide Texte in ihrem heutigen Zustand unabhängig voneinander zu sein.
Auch scheint es nicht erforderlich zu sein, den Abschnitt über den Tag Jahwes (Obd 15a. 16-18) später anzusetzen und einem anderen Verfasser zuzuschreiben.
Nur die Anfügung der letzten Verse dürfte nachexilisch sein.
Die Prophetie des Obadja entwickelt sich auf zwei Ebenen. Es geht einmal um die Bestrafung Edoms und zum anderen um den Triumph Israels am Tag Jahwes.
Wir haben es hier mit einem leidenschaftlichen Schrei nach Rache zu tun. Dieser nationalistische Geist steht ganz im Gegensatz zum Universalismus, wie er z. B. im zweiten Teil des Jesaja-Buches zum Ausdruck kommt.
Das Buch Obadja verherrlicht zudem die schreckliche Gerechtigkeit und Gewalt Jahwes.
Alfons Deissler urteilt daher über das Büchlein Obadja:
"... man sollte es nicht von der prophetischen Bewegung
im ganzen isolieren, von der es nur ein vorübergehendes Moment und die
vergänglichste Seite darstellt." ![]()
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Letzte Änderung: 15. März 2011