Der Geschichtswert des Markus-Evangeliums

In den zurückliegenden Jahrhunderten fristete das Markus-Evangelium schon beinahe so etwas wie einen Dornröschenschlaf. Da es als Auszug aus dem Matthäus-Evangelium galt, war es für die Theologen auch nur weniger interessant. Erst im letzten Jahrhundert begannen die Exegeten in größerer Zahl Kommentarwerke zum Markus-Evangelium zu erarbeiten.

Dabei spielte nun vor allem die Tatsache eine Rolle, dass der Markus-Text der älteste Evangelientext schlechthin ist. Sein Traditionsgut geht zum Teil auf alte palästinensische Überlieferung zurück. Von daher darf sein Geschichtswert nicht zu gering veranschlagt werden. Dies gilt vor allem, wenn die vormarkinische Passionsgeschichte tatsächlich existiert hat und tatsächlich sogar bis in die Frühzeit der Jerusalemer Urgemeinde zurückreicht.

So darf der Geschichtswert des Markus-Textes durchaus höher eingeschätzt werden, als der der späteren Evangelien. Vor allem dann, wenn Markus als konservativer Redaktor sein Material nicht so stark umgeprägt hat, wie die übrigen Evangelisten.

Allerdings wäre es falsch generell zu sagen, so wie es im Markus-Evangelium steht, hat Jesus gewirkt. Jede Einzelüberlieferung muss natürlich in der historischen Forschung separat geprüft werden.

Anmerkungen

1) Wo nicht anders angegeben folge ich meinem Lehrer Prof. Dr. Rudolf Pesch, Einführung in das Neue Testament - I: "Von Jesus zu den Evangelien", Vorlesungsmitschrift Sommersemester 1980.

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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Letzte Änderung: 15. März 2011