Nach
diesem Blick auf die größeren Zusammenhänge möchte ich nun noch die Familie
stärker in den Blick bringen. Und als Einstieg hierzu scheint es mir sinnvoll
zu sein, das Wohnen der Menschen, also die Wohnsituation in Israel genauer zu
betrachten.
Dabei ist schon wichtig zu sehen, dass das dörfliche Haus oft nur aus einem einzigen Raum bestand. In ihm war die ganze Familie untergebracht, lebte sie und schlief sie auch.
Aus
verschiedenen Gleichnissen der Evangelien können wir ein klein wenig vom Leben
in solch einem Haus erahnen. So können wir Mt
5,15 entnehmen, dass ein Licht, das man auf einen Leuchter stellte, in der
Regel ausreichte, das ganze Haus zu erleuchten. Hoch interessant ist auch die
Schilderung in Lk 11,5-7, dem
Gleichnis vom bittenden Freund. Es lässt erahnen, wie sich im ganz normalen
Alltag ein Mann mit seinen Kindern im Haus zum Schlafen legt, die Türe
versperrt und dann natürlich nicht mehr gestört werden möchte.
Wenn eine Familie ein wenig Vieh besaß, war dieses meistens auch noch im Haus untergebracht. Der Wohnraum der Menschen war dann etwas erhöht, der Platz, an dem das Vieh untergestellt wurde, war dann ebenerdig.
Gedeckt war das Dach des Hauses mit Schilf, Heu und Zweigen.
Dies macht es möglich, dass man - wie Mk
2,4 es schildert - das Dach aufbrechen kann (Mk
2,4:
["exorýxantes"]). Die Hauswand muss man sich aus Lehm oder Reisig
gefertigt vorstellen.
Das städtische Haus in Jerusalem hingegen war zweistöckig.
Im ersten Stock befand sich ein weites, die ganze Fläche des Hauses umfassendes
Obergemach (
["hyperoon"]). Es war in der Regel über eine Außentreppe zu
erreichen. In einem solchen Raum versammelten sich die Apostel nach Apg
1,13. Vielleicht war auch der Raum des Abendmahles, in dem sich Jesus mit
den Zwölfen zur Feier versammelte, solch ein Obergemach (Mk
14,14).
In der Stadt gab es natürlich auch palastartige Gebäude. Sie besaßen einen größeren Vorhof, der von einem Torhäuschen abgeschlossen war. Mk 14,68 erinnert uns an solch eine Situation.
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Letzte Änderung: 21. April 2002