Das Zoll- und Steuerwesen

1. Die Tempelsteuer

Dieses Anwachsen des Tempelschatzes verweist uns auf das Steuerwesen in Israel. Denn selbstverständlich hatte jeder seine Doppeldrachme als Tempelsteuer an den Tempel zu zahlen. Diese Steuer wird von den religiös Gesinnten Israeliten durchaus als etwas Selbstverständliches entrichtet worden sein. Dies war gleichsam eine religiöse Übung.

So verrichteten die Tempelsteuereinnehmer ihren Dienst auch ehrenamtlich und betrachteten denselben als Auszeichnung (Mt 17,24-27).

2. Die unterschiedlichen Zölle

Die Zölle aber, die von den Zöllnern eingezogen wurden, waren eine recht große Last. Sie betrafen unregelmäßige, indirekte Abgaben. Besonders mit Zöllen belegt waren Waren, die über die Landesgrenzen überführt werden sollten. Es gab aber auch andere Abgaben wie Marktzoll oder Wegegeld.

Die Zöllner pachteten jeweils den Zoll. So hatten sie die Möglichkeit, durch erhöhte Forderungen, Geld in die eigene Tasche zu erwirtschaften. Von daher waren Zöllner natürlich ungeheuer unbeliebt. Sie wurden - was wir aus den Evangelienberichten kennen - sogar mit öffentlichen Sündern gleichgestellt.

3. Die regelmäßigen römischen Steuern

Die Steuermünze: Ein Denar - links aus der Zeit des Kaiser Tiberius (14-37 n. Chr.) - rechts aus der Zeit des Kaisers Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.).

Die größte Last stellten aber die regelmäßigen römischen Steuern dar. Die Römer betrachteten die eroberten Provinzen schließlich als Eigentum Roms. Die Provinzbevölkerung musste darum Abgaben leisten. Im wesentlichen waren dies eine Boden- und eine Kopfsteuer (tributum agri et capitis).

Über die Höhe dieser Steuern sind wir nicht genau informiert. In Sizilien etwa betrug die Bodensteuer ein Zehntel des Agrarertrages. Die Kopfsteuer war nach dem sozialen Stand abgestuft.

Um diesen sozialen Status festzustellen, wurde bei der Errichtung der Provinz Judäa ein Census durchgeführt, auf den wir ja bereits mehrfach zu sprechen gekommen sind.

Zur Zeit Jesu waren die direkten Steuern in Judäa nicht verpachtet. Vermutlich fungierte unter dem Statthalter ein Finanzprokurator, der die Steuern einzuziehen hatte. Es sieht so aus, als ob die Römer die Steuern gerade in dieser Zeit erhöhten. Die Abgabenlast in Judäa vergrößerte sich zur Zeit Jesu also im Vergleich zu dem, was man vorher zu bezahlen hatte.

In Galiläa aber gab es eine andere Steuersituation als in Judäa. Herodes Antipas, der Tetrarch von Galiläa, hatte seine eigene Finanz- und Steuerverwaltung, mit deren Hilfe er die Steuern eintreiben ließ. Er bediente sich dabei des Pachtsystems. Publicani, die die Steuer gepachtet hatten, zogen für den Tetrarchen die jeweiligen Gelder ein.

Deshalb sind die ["telonai"] in Galiläa von denen die Evangelien berichten nicht identisch mit den normalen Zöllnern, die wir vom Zollwesen in Palästina her kennen. Diese galiläischen [ "telonai"] waren vielmehr Steuereintreiber.

Das ["telónion"], die sogenannte "Zollstätte", an der Levi in Mk 2,14 sitzt, dürfen wir uns dabei als einfachen Wechseltisch vorstellen, auf welchem bezahlt und quittiert wurde.

Anmerkung

1) Vgl.: Joachim Gnilka, Jesus von Nazareth (Herders Theologischer Kommentar zum NT - Supplementband 3) (Freiburg/Basel/Wien 1990) 66-74.

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
Tel.: +49 (0721) 82105171, E-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.

Letzte Änderung: 15. März 2011