Zur Situation von Kleinbauern und Tagelöhnern

Aber auch die Fortsetzung des eben zitierten Spruches:

"Wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat." (Mt 13,12b)

traf die Wirklichkeit, und zwar die Wirklichkeit der Kleinbauern und Tagelöhner.

Dreschschlitten.

Die Kleinbauern bearbeiteten zusammen mit ihren Familien das spärliche Land, das ihnen gehörte. Natürlich wurden sie am ehesten von Unregelmäßigkeiten getroffen, die in der wirtschaftlichen Versorgung entstanden. Politische oder andere äußere Umstände bedingten solche Irregularitäten eigentlich ständig.

Im Jahre 25 v. Chr. wurde das Land beispielsweise durch eine große Hungersnot heimgesucht. Damals hatte Herodes das Schlimmste verhindern können, indem er einen Teil seines eigenen Vermögens verkaufte und eine staatliche Hilfsaktion startete. Von solchen Hilfsaktionen vernehmen wir später nichts mehr. In der Regel war die Bevölkerung bei solchen und entsprechenden Katastrophen ganz einfach auf sich selbst gestellt.

Dieser im Grunde triste und immer bedrohte Alltag der Menschen wurde lediglich ab und an - und dann durch die diversen Festtage durchbrochen. Vor allem die religiösen Feste sind hier zu nennen, dann aber auch die mehrere Tage lang gefeierten Hochzeiten. Auch die gegenseitig gewährte Gastfreundschaft war ein Element, das durchaus Abwechslung in den Alltag brachte.

Ein Punkt, der zusätzlich wesentlich dazu beitrug, die Situation der einfachen Bevölkerung zu beinträchtigen, darf dabei nicht übersehen werden: Es war dies das Erbrecht, das in Israel galt. Haus und Hof erbte immer nur der älteste Sohn. Dies sollte dazu beitragen, dass die Besitzungen ungeteilt blieben, was ja auch durchaus sinnvoll war. Es beinhaltete aber gleichzeitig, dass sich die anderen Söhne mit jeweils einem Teil des beweglichen Vermögens zufrieden geben mussten. Und dies war im Regelfall nicht sehr viel.

Von daher waren viele junge Familien gleichsam gezwungen, die karge heimatliche Provinz zu verlassen und ins Ausland zu gehen. Die großen jüdischen Diasporagemeinden, die wir in der damaligen Zeit eigentlich überall finden, lassen sich zu einem guten Teil durch diese Zusammenhänge erklären.

Anmerkung

1) Vgl.: Joachim Gnilka, Jesus von Nazareth (Herders Theologischer Kommentar zum NT - Supplementband 3) (Freiburg/Basel/Wien 1990) 66-74.

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Letzte Änderung: 15. März 2011