Zur wirtschaftlichen Struktur

Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Flavius Josephus:

Sonnenaufgang am See Gennesaret.

"Entlang dem See Gennesar erstreckt sich die gleichnamige Landschaft von wunderbarer Natur und Schönheit. Wegen der Fruchtbarkeit des Bodens gestattet sie jede Art von Pflanzenwuchs. Und ihre Bewohner bauen alles an. Das ausgeglichene Klima eignet sich auch für die verschiedenartigen Gewächse. Nussbäume, die im Vergleich zu anderen Pflanzen eine besonders kühle Witterung brauchen, gedeihen dort prächtig in großer Zahl. Daneben stehen Palmen, die Hitze benötigen, ferner Feigen- und Ölbäume unmittelbar daneben, für die ein gemäßigtes Klima angezeigt ist. Man könnte von einem Wettstreit der Natur sprechen, die sich kräftig anstrengt, alle ihre Gegensätze an einem Ort zusammenzuführen, oder von einem edlen Kampf der Jahreszeiten, von denen jede sich wetteifernd um diese Gegend bemüht. Der Boden bringt nicht nur das verschiedenste Obst hervor, das man sich kaum zusammen denken kann, sondern er sorgt auch für lange Zeit für reife Früchte. Die edelsten unter ihnen, Weintrauben und Feigen, beschert er zehn Monate lang ununterbrochen. Die übrigen Früchte reifen nach und nach das ganze Jahr hindurch. Denn abgesehen von der milden Witterung, trägt zur Fruchtbarkeit dieser Gegend auch die Bewässerung durch eine sehr kräftige Quelle bei, die von den Einwohnern Kafarnaum genannt wird ... Die Landschaft erstreckt sich in einer Länge von 30 und in einer Breite von 20 Stadien ."

Mit diesen fast überschwänglichen Worten beschreibt Flavius Josephus das Gebiet zwischen Kafarnaum und Magdala, die Ebene Gennesar, das fruchtbare Kernland Galiläas. Doch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse sahen für die Mehrheit der Bevölkerung ganz anders aus.

Will man sich einen Einblick in diese Verhältnisse der etwa eine Million Menschen zählenden Gesamtbevölkerung Palästinas verschaffen, dann muss man zwischen Galiläa - und Samaria - auf der einen Seite und Judäa und Jerusalem auf der anderen Seite unterscheiden.

Grundsätzlich war das Land geprägt durch Landwirtschaft, also Ackerbau und Viehwirtschaft, sowie Handwerk und Handel. Dabei versteht es sich von selbst, dass in Galiläa die Landwirtschaft dominierte. Am See selbst war sie darüber hinaus mit der Fischerei verknüpft. Im Süden und in Jerusalem traten dagegen Handwerk und Handel in den Vordergrund.

Doch gab es natürlich auch in Judäa Weideland, Feld- und Gartenbau, genauso wie in Galiläa bestimmte Handwerksberufe unentbehrlich waren.

Zu den gängigen Berufen zählten etwa

Anmerkungen

1) Vgl.: Joachim Gnilka, Jesus von Nazareth (Herders Theologischer Kommentar zum NT - Supplementband 3) (Freiburg/Basel/Wien 1990) 66-74.

2) Flavius Josephus, Bell. 3,516-521, zit. nach: Joachim Gnilka, Jesus von Nazareth (Herders Theologischer Kommentar zum NT - Supplementband 3) (Freiburg/Basel/Wien 1990) 66-67.

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Letzte Änderung: 15. März 2011