Die römischen Kaiser Augustus und Tiberius

Bevor wir uns nun Herodes dem Großen zuwenden, bevor wir also die Gestalt des Herodes genauer betrachten, müssen wir die politische Lage zu dieser Zeit etwas ausführlicher in den Blick nehmen. Wir haben es hier schließlich mit Zusammenhängen zu tun, die letztlich auch das Geschick Jesu mitbestimmen.

Von der Warte der hohen römischen Politik aus betrachtet, fällt die Lebenszeit Jesu in die Zeit der Regierung zweier römischer Kaiser, des Octavianus Augustus (27 v. Chr.-14 n. Chr.) und des Tiberius (14-37 n. Chr.). Während Augustus - wie Flavius Josephus berichtet - etwa anlässlich von Festspielen zur Feier der Erbauung von Caesara Maritima in Palästina war , hat Tiberius syrischen oder palästinischen Boden nie betreten. Große Auswirkungen auf das im Neuen Testament berichtete Geschehen hatten als Herrschergestalt selbstredend beide.

1. Pax Romana Augustana

Schon die lange Epoche ihrer Herrschaft war etwas wichtiges. Sie war letztlich eine Voraussetzung für den Frieden und das gewisse Wohlergehen im Mittelmeerraum.

Augustus hatte die Bürgerkriege, die in der Folge der Ermordung Caesars ausgebrochen waren, erfolgreich beendet. Mit seinem Namen verbindet sich daher auch die Erinnerung an die sogenannte "Pax Romana Augustana".

Statue des Augustus als Pontifex.

Die Regierungszeit des Augustus wird dementsprechend auch von vielen Dichtern besungen. Vergil kündet in seiner vierten Ekloge das Goldene Zeitalter an und Horaz preist Augustus als größten der Herrscher.

2. Kaiserkult

So verwundert es nicht, dass dem Kaiser - zumindest im Ostteil des Reiches - gleichsam göttliche Verehrung zukam. Augustus lehnte dies für Rom zwar ab, ließ aber zu, dass man ihn im Osten als Gott verehrte, besonders, wenn dieser Kult sich mit dem der Göttin Roma verband. Ein Beispiel hierfür ist der ihm und der "Dea Roma" geweihte Tempel in Ankyra, dem heutigen Ankara.

An dessen Wänden entdeckte man übrigens schon im 16. Jahrhundert n. Chr. die umfangreiche lateinische und griechische Inschrift der "Res gestae divi Augusti", ein vom Kaiser selbst verfasstes Verzeichnis seiner Taten; übrigens in seinem 76. Lebensjahr, also etwa ein Jahr vor seinem Tod, geschrieben. Er vermerkt darin am Schluss mit besonderer Genugtuung, dass der Senat, der Ritterstand und das gesamte römische Volk ihm den Namen "Vater des Vaterlandes" - pater patriae - gegeben haben.

3. Politik des Tiberius

Sein Nachfolger Tiberius ließ sich dann ganz offen als Gott verehren. Mit zunehmendem Alter zog sich der als menschenscheue geltende Kaiser mehr und mehr nach Campanien und auf die Insel Capri zurück.

Um das Jahr 20 n. Chr. begann der Einfluss des Garde-Praefekt Seianus auf Tiberius zu steigen. Er wurde während der Abwesenheit des Kaisers in Rom nahezu allmächtig. Ihm, der ein Feind der Juden war, verdankte Pontius Pilatus seine Ernennung zum Praefekten von Judäa.

4. Biblische Daten aus der Regierungszeit des Tiberius

In die Regierungszeit des Kaisers Tiberius fallen die wichtigsten Ereignisse aus neutestamentlicher Zeit.

Im 15. Jahr der Regierung des Kaisers tritt - nach Lk 3,1 - Johannes der Täufer auf. Dieses Jahr umfasst die Zeit vom 1. Oktober 27 n. Chr. bis zum 1. Oktober 28 n. Chr.

Auf Kaiser Tiberius geht im Jahr 35 n. Chr. die Einsetzung des L. Vitellius zum Statthalter von Syrien zurück. Mit dessen Namen ist dann die Abberufung des Pilatus von seinem Posten verknüpft. Also fällt auch das Geschehen der Kreuzigung unter dem Statthalter Pontius Pilatus in die Zeit der Regierung des Tiberius.

Anmerkungen

1) Vgl.: Joachim Gnilka, Jesus von Nazareth (Herders Theologischer Kommentar zum NT - Supplementband 3) (Freiburg/Basel/Wien 1990) 35-50.

2) Vgl.: Flavius Josephus, Antiquitates Judaica, XV,10,3 - gegen Joachim Gnilka, Jesus von Nazareth (Herders Theologischer Kommentar zum NT - Supplementband 3) (Freiburg/Basel/Wien 1990) 35.

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Letzte Änderung: 15. März 2011