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Emanation: das Hervorgehen einer Vielheit (aller Einzeldinge) aus einem einheitlichen Urgrund als ein zeitloses Geschehen, besonders nach neuplatonischer Lehre. Bestimmend war dabei der Gedanke, dass sich der Urgrund nicht in der Emanation erschöpft, sondern, ohne eine Minderung oder Mehrung zu erfahren, in seiner Vollkommenheit erhalten bleibt; er ist von größerer Wirklichkeit als das ihm entströmende Viele. So steht das System des Emanationismus in scharfem Gegensatz zu den Systemen, die in der fortschreitenden Entwicklung eine Mehrung der Wirklichkeit des Vielen behaupten (Evolutionismus). Gegen die gnostische Emanation-Lehre richtete die altkirchliche Theologie (besonders in den Lehrpunkten der Schöpfung und des Verhältnisses von Gottsohn und Gottvater) die bis heute geltende Lehre von der Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo).
Von den theologischen und philosophischen lehren, die eine Schöpfung der Welt durch Gott annehmen, unterscheidet sich der Emanation-Begriff nur dann, wenn nicht ein Grund-Folge-Verhältnis angenommen wird, sondern eine pantheistische Identität zwischen dem Einen und dem Vielen. Unter dieser Voraussetzung polemisierten die mittelalterlichen Theologen gegen den Neuplatonismus und die arabisch-jüdische Philosophie (Avicenna und Ibn Gabirol) Die indische und persische Religion waren von dem Gedanken der Emanation stark bestimmt. Das bedeutendste philosophische System des Emanatismus war das Plotins; es hat auf alle späteren Emanations-Lehren eingewirkt (Johannes Eriugena, G. Bruno, B. de Spinoza, G.W.F: Hegel).
(Vgl.: Art.: Emanation, in: Brockhaus (Mannheim 19. Auflage 1988) VI/337
Dr. Jörg Sieger - Einführung in die Bibel