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Die
Geschichte des jüdischen Kanons ab der Makkabäer-Zeit und diverse Zeugnisse ![]()
2 Makk 2,14 berichtet ferner, dass Judas Makkabäus eine Buchsammlung heiliger Schriften gehabt habe. Diese Büchersammlung dürfte die meisten der später als kanonisch geltenden Schriften des Alten Testamentes umfasst haben.
Wichtig ist hierbei die Auskunft, dass Judas diese Schriften, die während des syrischen Religionskrieges zum Teil zerstreut worden waren, wieder gesammelt habe. Er hat sich demnach ganz besonders um den Bestand des jüdischen Kanons verdient gemacht.
Sehr sichere Aussagen lassen sich dann ab etwa 130 v. Chr. machen. Der um dieses Jahr herum geschriebene Prolog des Übersetzers von Jesus Sirach setzt das hebräische Alte Testament in seiner Gänze bereits voraus.
Er bringt im übrigen bereits die geschichtlich gewachsene und spätestens im Mittelalter allgemein übliche Dreiteilung des hebräischen Kanons. So spricht der Übersetzer des Sirach-Buches von
In den Höhlen bei Qumran, deren Funde sich auf die Zeit vom zweiten vorchristlichen bis ins erste nachchristliche Jahrhundert datiert werden können, fanden sich zumindest Teile nahezu aller Schriften des jüdischen Kanons. Lediglich von einem Buch des Kanons wurde bisher in Qumran noch kein Fragment gefunden, nämlich vom Buch Ester. Dies muss aber noch nicht bedeuten, dass man das Ester-Buch in Qumran nicht unter die kanonischen Schriften rechnete. Das Fehlen des Ester-Buches könnte auch ganz einfach ein Zufall sein.
Andererseits fand man in Qumran eine Reihe von Fragmenten von sogenannten deuterokanonischen Büchern, also Büchern, die in der Reihe des hebräischen Kanons nicht zu finden sind.
Dazu gehören etwa Fragmente der Bücher
Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstand das sogenannte 4. Esra-Buch. Diese apokalyptische Schrift gehört zu den apokryphen Büchern, also zu denjenigen, die nicht mehr in die Bibel aufgenommen wurden.
In ihm wird aber berichtet, dass Esra, der spätestens um 400 v. Chr. gewirkt haben muss, den offiziellen jüdischen Kanon abgeschlossen habe. Dieser Kanon habe insgesamt 24 Schriften enthalten.
4 Esra berichtet dabei, dass dem Esra der Wortlaut dieser 24 Bücher noch einmal in seiner Gänze geoffenbart worden sei.
Um die gleiche Zeit, in der das vierte Esra-Buch entstanden ist, also Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr., bezeugt auch der jüdische Historiker Flavius Josephus den offiziellen jüdischen Kanon, so wie er zu seiner Zeit bestanden hat.
Der in diesem Zusammenhang wichtigste Text aus seinem Werk findet sich in der Schrift "Contra Apionem". Seiner Bedeutung wegen soll er hier im Wortlaut wiedergegeben werden:
"Die Tatsache, dass es bei uns nicht gestattet ist,
Geschichte zu schreiben, hat zur natürlichen, ja zur notwendigen Folge, dass
unsere Schriften keine Abweichungen aufweisen, weil nur die Propheten die in
weiter Vergangenheit zurückliegenden Geschehnisse erzählen, die sie auf
Grund göttlicher Erleuchtung erfahren haben, die Zeitgeschehnisse dagegen so,
wie sie sich vor ihren Augen abgespielt haben - dies hat, wie gesagt, zur
natürlichen Folge, dass es bei uns keine Unzahl von abweichenden und
widersprechenden Büchern gibt, sondern nur 22, die die Annalen aller Zeiten
enthalten und die ein gerechtes Vertrauen genießen. Da sind zunächst die
Bücher Mosis, fünf an der Zahl, die die Gesetze und die Überlieferungen von
der Erschaffung des Menschen bis zu seinem eigenen Tode enthalten. Es ist dies
eine Periode von zirka 3000 Jahren. Vom Tode des Moses an bis auf Artaxerxes,
den Nachfolger des Xerxes auf dem persischen Throne, haben die Propheten, die
nach Moses kamen, die Geschichte ihrer Zeit in 13 Büchern erzählt. Die vier
letzten enthalten Hymnen an Gott und sittliche Vorschriften für die Menschen.
Von Artaxerxes bis auf unsere Tage wurden zwar alle Geschehnisse
aufgezeichnet, doch erkennt man diesen Büchern nicht dieselbe
Glaubwürdigkeit zu wie den vorausgehenden, weil die Propheten nicht mehr
lückenlos aufeinander gefolgt sind. Dieser Tatbestand beweist, mit welchem
Respekt wir an unsere eigenen Bücher herangehen. Nach Ablauf so vieler
Jahrhunderte hat es niemand gewagt, ihnen etwas anzufügen oder an ihnen etwas
zu ändern. Jedem Juden ist es von Geburt an eine Selbstverständlichkeit, zu
denken, dass diese Bücher den Willen Gottes enthalten, sie zu achten und
notfalls freudig für sie zu sterben. Man hat schon viele von ihnen gesehen,
die sich lieber gefangen nehmen ließen und Folterungen und jegliche Todesart
in den Amphitheatern auf sich nahmen, als dass sie auch nur ein Wort
gesprochen hätten, das den Gesetzen oder den ihnen beigefügten Annalen
widersprochen hätte." ![]()
Interessanterweise zählt Flavius Josephus hier 22 Schriften und nicht 24 Schriften.
Vielleicht versucht er hier ganz bewusst auf 22 Schriften zu reduzieren, um auf die Zahl der Buchstaben des hebräischen Alphabetes zu kommen. Die Anzahl der Buchstaben galt ja als Fülle alles Sagbaren.
Das Büchlein Rut könnte er als Anhang zum Richter-Buch und die Klagelieder als Anhang zum Jeremia-Buch gezählt haben. Dadurch hätte er durchaus auf die besagte Zahl 22 kommen können.
Interessant ist auch das von ihm genannte Kriterium für die Kanonizität. Er spricht von der ununterbrochenen Abfolge der Propheten. Sie also bürgt seiner Ansicht nach dafür, dass tatsächlich Gottes Wort in Menschenwort vorliegt.
Noch deutlicher, als die Ausführungen von Flavius Josephus ist das Zeugnis des Babylonischen Talmud.
Im Traktat "Baba batra" folio 14b und 15a befindet sich eine Aufstellung der bekannten 24 - bzw., wenn man sie einzeln zählt, 39 Bücher des Alten Testamentes:
"Die Rabbinen lehren: Die Ordnung der Propheten ist: Jos
und Jdc, Sm und Rg, Jer und Ez, Is und die Zwölf [...] Die Ordnung der
"Schriften" ist: Rut und Buch der Pss und Job und Prv, Koh, Ct und
Lam, Dn und Roll Est, Esr und Chr [...] und wer schrieb sie? Moses schrieb
sein Buch und die Parasche über Bil'am
und Job. Josue schrieb sein Buch und acht Verse in der Torah. Samuel schrieb
sein Buch und Jdc und Rut. David schrieb das Buch der Pss durch zehn Älteste,
durch den ersten Menschen, durch Melchisedech und durch Abraham und durch
Moses und durch Heman und durch Jedutun und durch Asaph und durch die drei
Söhne des Korah. Jeremias schrieb sein Buch und das Buch Rg und Lam.
Hizikijja und seine Versammlung schrieben Is, Prv, Ct und Koh. Die Männer der
großen Synagoge schrieben Ez und die Zwölf, Dn und die Rolle Est. Ezra
schrieb sein Buch und das Geschlechtsregister der Chr bis auf sich [...] Und
wer führte es weiter? Nehemias, der Sohn des Hakalja." ![]()
Durch dieses Zitat wird im übrigen schon deutlich, dass die Talmudisten die Bibel kritisch gelesen haben.
Damit haben wir die endgültige Form des jüdischen Kanons umschrieben.
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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Letzte Änderung: 14. März 2011