Zur Technik des Schreibens

1. Das Schreibmaterial

Wir wissen von mancherlei Material, auf das in biblischen Zeiten geschrieben wurde.

a. Stein

Das älteste Material dürfte Stein gewesen sein.

b. Holz

Ein weiteres Material, das früh Verwendung fand, war Holz:

c. Tontafeln, Ostraka

Die sonst im Alten Orient so viel gebrauchten Tontafeln, also Tafeln mit frischem Ton, in die die Zeichen eingeritzt wurden, kamen für die hebräische Schrift nicht in Frage. Sie sind nur für eine geradlinige Schrift wie etwa die Keilschrift geeignet. Für die hebräischen Zeichen mit ihrem kursiven Duktus konnte man sie kaum verwenden.

Bereits gebrannte Tontafeln, sogenannte Ostraka, wurden nach Ausweis der Funde in Palästina dagegen - wie auch anderswo - häufig verwandt. Diese Tontafeln wurden gewöhnlich mit Tinte beschrieben.

Bei Ausgrabungen im Jahre 1935 stieß man beispielsweise in Tell Duwer, dem alten Lachisch, in einem Raum der Toranlage auf Ostraka, die sich als militärischer Briefwechsel aus der letzten Zeit Judas, also um 588 v. Chr., entpuppten.

Sie werden sich vielleicht fragen, was das Ganze jetzt mit Einführung in das Alte Testament zu tun hat. Gerade am Beispiel der Ostraka lässt sich nun sehr gut zeigen, wie wichtig es ist, über diese Dinge Bescheid zu wissen. Manchesmal lässt sich die heutige Gestalt eines Textes besser verstehen, wenn ich darum weiß, wie er ursprünglich einmal abgefasst wurde. Selbst die rein technischen Dinge können hier entscheidenden Einfluss auf die heutige Erscheinungsform eines Textes haben.

So ist beispielsweise die Vermutung geäußert worden, dass einzelne prophetische Worte oder auch Weisheitssprüche usw. ursprünglich auf solche Tonscherben aufgezeichnet worden waren. Das würde aber bedeuten, dass sie längere Zeit Scherbe an Scherbe etwa in Regalen, also in recht loser Form was ihre Reihenfolge angeht, aufbewahrt wurden. Man könnte das etwa mit Notizblättern, die in einem Zettelkasten verwahrt werden, vergleichen.

Als man nun daranging, diese Schriften in Buchform zusammenzustellen, scheint man dann einfach den Inhalt der einzelnen Scherben in der Reihenfolge ihrer Archivierung, also ohne größere Systematik abgeschrieben und aneinandergereiht zu haben. Dies würde die zusammenhanglose Aneinanderreihung, die sich in manchen biblischen Büchern beobachten lässt, ganz gut erklären.

Sicheres wissen wir über diesen Sachverhalt allerdings noch nicht.

d. Kupfer

Der Vollständigkeit halber soll hier als Stoff, auf den man schrieb, auch Kupfer erwähnt werden. In Qumran hat man in Höhle eins eine solche beschriebene Kupferrolle gefunden. Sie enthält allerdings keinen biblischen Text und bildet als Schreibmaterial sicher auch eine Ausnahme.

e. Papyrus

Papyrus-Herstellung.

Die bisher erwähnten Schreibstoffe haben gemeinsam, dass sie nur für Aufzeichnungen von beschränktem Umfang und also höchstens für Vorstufen der biblischen Bücher in Betracht kommen. Die eigentlichen biblischen Bücher benötigten andere Schreibmaterialien. Materialien, die in der Lage waren, längere Texte aufzunehmen. Die dafür in Frage kommenden und geeigneten Schreibstoffe waren Papyrus und Leder.

Wo immer das Alte Testament von einer Buchrolle, also von  ["megillat-sefer"] oder einfach von ["megillah"] spricht , muss man an diese beiden Materialien denken. Sie sind nämlich, wenn wir von der Kupferrolle als Ausnahme absehen, die einzigen Stoffe, die sich aufrollen lassen.

(1) Geschichte des Papyrus

Papyrus wurde schon im 3. Jahrtausend v. Chr. in Ägypten gebraucht.

Aus dem berühmten Reisebericht des Ägypters Wen Amon, verfasst um das Jahr 1090 v. Chr., geht hervor, dass dieser bequeme Schreibstoff als Tauschobjekt gegen Holz von Ägypten nach Phönizien exportiert wurde. Um 1000 v. Chr. ist Papyrus als Schreibmaterial im phönizisch-israelitischen Raum also bereits belegt.

Wenn Wen Amon 500 Rollen von feinem Papyrus - der Ausdruck feiner Papyrus weist bereits darauf hin, dass es auch hier verschiedene Güteklassen gab - wenn er also 500 Rollen von feinem Papyrus mit sich führte, dann lässt das bei dieser großen Zahl darauf schließen, dass schon damals die Herstellung fabrikmäßig geschah.

In späterer Zeit hat Ägypten die ganze Mittelmeerwelt mit Papyrus versorgt.

(2) Herstellung des Papyrus

Zu seiner Herstellung dienten die Stängel der Papyrusstaude, die man in dünne Streifen schnitt. Eine senkrechte und waagrechte Schicht dieser Streifen wurden übereinandergelegt und gepresst. Der im Material enthaltene natürliche Klebstoff genügte zur Bindung der Lagen. Anschließend wurden die Blätter getrocknet und geglättet. Danach war das Ergebnis schreibfertig.

Mehrere Blätter, zu der gewünschten Länge zusammengeklebt, ergaben dann eine ganze Buchrolle, die man bei den Israeliten von rechts nach links kolumnenweise beschrieb.

Im allgemeinen benützte man nur die Innenseite mit den waagerechten Streifen ("recto"), aber es gab auch Vorder- und Rückseite ("verso") beschriebene Rollen. Ez 2,9-10 heißt es zum Beispiel:

"Und ich sah: Eine Hand war ausgestreckt zu mir; sie hielt eine Buchrolle. Er rollte sie vor mir auf. Sie war innen und außen beschrieben und auf ihr waren Klagen, Seufzer und Weherufe geschrieben." (Ez 2,9-10)

Aus Papyrus war vermutlich die Rolle, die Baruch nach dem Diktat des Propheten Jeremia beschrieb und die von König Jojakim Stück um Stück in einem offenen Feuerbecken verbrannt wurde (Jer 36).

Überhaupt dürfte Papyrus auch in Palästina viel gebraucht worden sein. Er war nicht teuer und dauerhafter, als man gewöhnlich annimmt,

"... mindestens so dauerhaft wie das beste handgemachte Papier, wenn nicht mehr" .

Aber natürlich konnte es nur dort die Zeiten überdauern, wo Klima und Boden dafür günstig sind, wie besonders im Wüstensand Ägyptens.

(3) Palimpsest von Murabba'at und Papyrus Nash

So erklärt es sich, dass in Palästina bis jetzt nur einige Papyrusfragmente in den seit 1947 entdeckten, klimatisch günstig gelegenen Höhlen von Qumran und Murabba'at zum Vorschein kamen, darunter jedoch nur ganz wenige biblische Texte, wie Fragmente der Königsbücher und des Buches Daniel.

Als ältester hebräischer Papyrus verdient das Palimpsest von Murabba'at besondere Bedeutung. Es stammt aus dem 8. bzw. 7. Jahrhundert v. Chr. In seiner unteren, kaum entzifferbaren Hälfte enthält das Schriftstück wahrscheinlich einen Brief, in seiner oberen wahrscheinlich eine Personenliste.

Vor 1947, also vor den sensationellen Funden von Qumran, galt als ältester Zeuge des hebräischen Bibeltextes ein 1902 von W. L. Nash in Ägypten erworbenes und der Cambridge University Library geschenktes Papyrusblatt, Papyrus Nash genannt.

Es enthält - etwas versehrt - den Dekalog in einem Wortlaut, der teils Ex 20,2ff, teils Dtn 5,6ff folgt. Daran anschließend folgt das ["schema"] von Dtn 6,4ff. Die Aufeinanderfolge zeigt, dass wir es hier nicht mit einem Rest einer Bibelrolle, sondern mit einer Zusammenstellung zu liturgischen, erbaulichen oder unterrichtlichen Zwecken zu tun haben.

Das 6. und 7. Gebot erscheinen dabei in umgekehrter Reihenfolge und das ["schema"] wird durch einen Satz eingeleitet, der im später verbindlichen hebräischen Text () fehlt, in der griechischen Übersetzung, der Septuaginta, allerdings auch enthalten ist.

Von daher ist der Papyrus Nash ein ganz wichtiger Textzeuge für die Entwicklung des Textes des Dekaloges bzw. des ["schema"] zumindest in ihrer liturgischen Tradition.

Der Papyrus wurde von seinen ersten Bearbeitern in das 2. oder 1. Jahrhundert nach Christus datiert. Es gibt aber auch Annahmen, die den Text in der Makkabäer-Zeit ansiedeln.

f. Leder

Leder hat erst später in Palästina wie auch sonst in Vorderasien eine wichtige Rolle als Schreibstoff gespielt. Es hat gegenüber Papyrus den Vorteil, dass es nicht so leicht abgenützt wird. Deshalb wurde es vor allem für Niederschriften verwandt, denen man eine längere Haltbarkeit wünschte oder die viel benützt wurden.

Die jüdische Vorschrift verlangt bis zur Gegenwart, dass das Gesetz für den liturgischen Gebrauch auf Leder geschrieben werden muss. Dieses Leder muss überdies von Tieren gewonnen werden, die auch zum Genuss erlaubt sind. Also Schweinsleder fällt für die Abfassung von Thorarollen aus. Man folgt damit sicher einem sehr alten Brauch.

Der Aristeasbrief vom Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. weiß von prächtigen, mit Goldschrift beschriebenen Torarollen aus Leder (Pergament?).

Nicht viel jünger als dieses literarische Zeugnis dürfte die 1947 gefundene Jesajarolle sein, die uns ein anschauliches Bild einer antiken Bibelrolle vermittelt. Sie besteht aus 17 Blättern von sorgfältig behandeltem Leder (nicht Pergament, wie man oft liest). Diese Blätter wurden aneinandergenäht, so dass eine Rolle von 7,34 m Länge entstand. Und das bei einer Höhe von 26 cm. Sie enthält auf 54 Kolumnen, die durchschnittlich dreißig Zeilen von einer Breite von 12,8 cm umfassen, alle 66 Kapitel des Jesajabuches.

In das Leder sind mit einem halbscharfen Instrument Linien eingepresst. Auch dies entspricht einer jüdischen Vorschrift.

Die Rolle befand sich - wie die anderen, die mit ihr gefunden wurden - in Leinen gewickelt in verschlossenen Tonkrügen. Dies ist eine Art der Aufbewahrung, die schon in Jer 32,14 erwähnt wird und auch in Ägypten üblich war.

g. Pergament

Schon seit etwa 200 v. Chr. verstand man Pergament herzustellen. Dies geschah - vermutlich auch schon in der Frühzeit - durch besondere Behandlung des Leders mittels Kalkbeize.

Pergament, das vom kleinasiatischen Pergamon seinen Namen hat, war vom 4. Jahrhundert nach Christus an das wichtigste Material für Bücher und der eigentliche Schreibstoff des Mittelalters. Papyrus hat seither seine Bedeutung verloren.

Gegenüber den älteren Schreibstoffen bietet Pergament große Vorzüge:

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass im 1. nachchristlichen Jahrhundert - oder auch schon früher - in China das Papier erfunden wurde. Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr. gelangte die Kenntnis seiner Herstellung durch chinesische Kriegsgefangene in den Vorderen Orient und von dort nach Europa. Hier tritt es dann seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. neben dem Pergament als Schreibmaterial auf.

2. Die Buch-Rolle

Die antike Form des Buches war die Rolle aus Papyrus oder Leder. Ihre Handhabung ist nicht gerade bequem. Man benötigt beide Hände. Die eine - bei hebräischen Rollen die linke, wegen der Linksläufigkeit der Schrift - hält die Rolle, die andere zieht die beschriebenen Kolumnen allmählich am Auge vorüber und rollt das Gelesene nach der Gegenseite wieder ein.

Das lateinische Wort dafür heißt "volvere" ("rollen"). Von daher nennt man die Rolle "volumen" ("Buchrolle").

Will man die Rolle wieder lesebereit machen, muss man sie ganz zurückrollen, damit der Anfang wieder nach außen kommt.

Wenn wir uns vor Augen halten, dass man für die 66 Kapitel des Jesajabuches eine Rolle von fast 7,5 Metern benötigte, dann wird leicht klar, dass das Lesen oder gar das Nachschlagen in einer solchen Rolle recht mühsam war.

Rollen, die für den Gebrauch noch handlich sein sollten, konnten kaum viel umfangreicher sein, als die genannte Jesajarolle. Daraus ergibt sich, dass nur ausnahmsweise eine einzige Rolle den Gesamtbestand oder auch nur mehrere der großen Bücher des alten Testamentes enthalten konnte, und das auch nur bei ganz großem Umfang und ganz kleiner Schrift.

Die meisten biblischen Bücher waren in separaten Rollen im Umlauf, ja die Teilung in Bücher scheint in einzelnen Fällen, zum Beispiel beim Pentateuch, nur mit Rücksicht auf den Normalumfang einer Rolle nachträglich vorgenommen worden zu sein.

Von daher ist allerdings auch verständlich, dass in der Frühzeit die Frage der Reihenfolge der Bücher kaum Bedeutung hatte.

Wir haben es beim Alten Testament schließlich nicht mit einem Buch im modernen Sinne zu tun. Im Grunde genommen können wir von einer kleinen Bibliothek sprechen.

3. Der Kodex

Erst die Erfindung des Kodex im 1. Jahrhundert n. Chr., zunächst wohl als Pergamentkodex, gab die Möglichkeit, mehrere Bücher der Bibel oder ihren ganzen Umfang zu vereinigen.

Reste von Papyruskodizes mit alt- und neutestamentlichen Texten in griechischer Sprache reichen bis ins 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. zurück. Im 4. Jahrhundert kam der Kodex allgemein in Gebrauch; die Rolle verschwand aber nicht ganz, sie trat aber mehr und mehr zurück.

Interessant ist der Anteil des Christentums an dieser Entwicklung.

"Erst der Sieg der Kirche hat dem Kodex, der von Anfang an den Christen vertraut war, zum Übergewicht über das Rollenbuch verholfen. Die Rolle wird auf Akten und Verträge zurückgedrängt, der Kodex wird Buch an sich."

Seine Vorteile gegenüber der Buchrolle liegen auf der Hand:

Die Juden übernahmen den Kodex erst um 700 n. Chr. für Studientexte, behielten jedoch die Rolle aus Leder oder Pergament für die im Gottesdienst verwendeten (unpunktierten!) Exemplare der Tora und des Buches Ester bei.

4. Schreibgeräte

Als Schreibgerät erwähnt das Alte Testament ["chæræt"] (Jes 8,1) und ["<et"] (Jer 8,8; Jer 17,1; Ps 45,2; Ijob 19,24). [ "chæræt"] entspricht dem Griffel, mit dem man die Buchstaben in geeignetes Material einritzt, also etwa dem lateinischen "Stilus".

Dasselbe Instrument ist wohl auch gemeint mit dem ["<et barsæl"], dem eisernen Griffel mit diamantener Spitze in Jer 17,1 und dem Griffel von Eisen ["<et"] in Ijob 19,24.

Daneben gibt es als Schreibgerät den ["<et soferim"] (Jer 8,8) bzw. den ["<et sofer"] (Ps 45,2), das Schreibrohr des Berufsschreibers. Mit ihm trug man die Tinte auf Leder, Papyrus und Ostraka auf.

In Ägypten sind noch weitere Schreibgeräte bezeugt. Ihre Verwendung ist auch in Palästina wahrscheinlich.

In älterer Zeit ist in Ägypten so beispielsweise Binsen als Schreibgerät belegt. Das Ende dieser Binsen wurde zerquetscht und war demnach leicht faserig, wie etwa ein kleiner Pinsel. Später hat man es auch schräg gekappt wie bei einem Gänsekiel.

Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. ist in Ägypten auch das Schreibrohr (Kalamos) nachweisbar. Es wurde federförmig zugeschnitten und hatte eine gespaltene Spitze. So wurde sowohl flüssiges wie kursiveres Schreiben ermöglicht. Dieses Schreibrohr ist bis in die Neuzeit im Orient in Gebrauch geblieben.

5. Tinte

Es gab zwei Arten, um Schrift auf die Schreibunterlage zu bekommen.

Mit dem Griffel konnte man Buchstaben - wie bereits erwähnt - eingraben. Auf alle Materialien, bei denen ein Eingraben von Buchstaben jedoch unmöglich war, also etwa auf Ostraka, Papyrus und Leder, schrieb man mit Tinte (hebräisch ["dejon"]).

Zum ersten und einzigen Male wird Tinte im Alten Testament in Jer 36,18 (605 v. Chr.) erwähnt und das in einer Weise, die zeigt, dass es sich um etwas allgemein Bekanntes handelte. Es heißt dort:

"Baruch erwiderte ihnen: Jeremia hat mir alle diese Worte diktiert, und ich habe sie mit Tinte in das Buch geschrieben." (Jer 36,19)

Es kommen zwei Tinten in Frage:

Die Einführung der metallischen Tinte stieß in den ersten Jahrhunderten n. Chr. auf Widerstand bei den Juden. Sie war nicht immer dauerhaft und griff darüber hinaus den Schreibstoff an. Im Mittelalter hat sie sich aber trotz des talmudischen Verbotes durchgesetzt.

Die in den Qumran-Handschriften verwendete Tinte ist nicht metallisch, sondern vegetabilisch oder kohlenhaltig.

Warum muss man das jetzt wissen?

Wenn man weiß, welche Materialien für die Abfassung von Texten verwendet wurden, dann kann man schließlich von ihnen her auch auf das Alter einer Handschrift schließen.

Die Verwendung von metallischer Tinte lässt nämlich dementsprechend eine recht späte Entstehung einer Handschrift vermuten. Dies ist insbesondere bei der Textkritik wichtig.

Bei der Verwendung von nichtmetallischer Tinte ist das Ganze nicht so eindeutig. Zwar lässt ein in nichtmetallischer Tinte abgefasster Text zunächst einmal vermuten, dass seine Entstehung recht früh anzusetzen ist. Vorsicht ist allerdings geboten, da die nicht-metallische Tinte neben der metallischen noch lange in Gebrauch war. Die nichtmetallische Tinte wird heute sogar wieder verstärkt für die Abfassung von Torarollen verwendet.

Dennoch lässt die Verwendung von nichtmetallischer Tinte eine frühe Entstehung des entsprechenden Textes als wahrscheinlicher erscheinen als eine mittelalterliche Abfassung.

Die von den alten Schreibern verwendete Tinte drang im übrigen meist nicht tief ein, sondern konnte mit einem Schwamm oder dergleichen abgewaschen werden. Blasste die Schrift ab, so wurde sie nachträglich wieder aufgefrischt.

Andererseits müssen wir auch feststellen, dass man im Altertum eine Tinte herzustellen verstand, die überraschend dauerhaft war. Papyri aus Ägypten zeigen genauso wie die Handschriften von Qumran, dass die antike Tinte vielfach die spätere metallische Tinte an Widerstandsfähigkeit übertraf.

Anmerkungen

1) Vgl.: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 7-10.

2) T. C. Skeat, CHB 2 (1969) 59, zit. in: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 9.

3) Vgl.: 8. Jahrhundert: Milik; 7. Jahrhundert: Cross, Gibson und andere. (Vgl.: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 9).

4) W. Schubart, Einführung in die Papyruskunde (1918) 56; W. Schubart, Das Buch bei den Griechen und Römern (2. Auflage 1969) 65ff; zit. in: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 11

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Letzte Änderung: 14. März 2011