Von der Bilderschrift zur Buchstabenschrift

Bereits im 4. Jahrtausend vor Christus ist eine Verschriftung von Worten im Orient belegbar.

Die Ausgrabungen und die Funde, die im Laufe der letzten 100 Jahre gemacht wurden, haben gerade Palästina-Syrien als ein Land von überraschend reicher Schriftkultur erwiesen. Im 2. Jahrtausend vor Christus wurden dort mehrere Schriftsysteme erfunden, aber auch auswärtige Schriften wie die Keilschrift gebraucht.

Vermutlich wurde gerade in diesem Raum der Schritt weg von komplizierten Schriftsystemen mit mehreren hundert Zeichen hin zum denkbar einfachsten Schriftsystem, nämlich dem Alphabet mit etwas mehr als zwanzig Zeichen vollzogen.

Dies geschah dadurch, dass man sumerische Schriftzeichen nahm und diese nun nicht mehr als Symbole für Worte sondern als Symbole für einzelne Laute verwendete.

1. Beispiele für frühe Alphabete

Schon sehr früh entwickelte sich so die sogenannte Sinaischrift, die in einer Reihe von Inschriften bei den Bergwerken von serabit el-chadem auf der Sinaihalbinsel erhalten ist und um das Jahr 1500 v. Chr. angesetzt wird.

Verwandt mit ihr dürfte die protopalästinischen Schriften sein, die man auf Fundgegenständen aus Mittel- und Südpalästina entdeckte. Die entsprechenden Gegenstände werden auf die Zeit zwischen 1700 und 1200 v. Chr. datiert.

Aus der Zeit um 1400 v. Chr. stammt das keilschriftliche Alphabet von Ugarit in Nordsyrien.

Die Entzifferung dieser Schriften steckt, mit Ausnahme von dem ugaritischen Alphabet, noch in den Anfängen.

2. Die phönizisch-althebräische Schrift

Ein Tintenfass aus römischer Zeit.

Ungeklärt ist auch noch, ob und wie diese Schriften in Zusammenhang miteinander stehen und wie sie die weitere Entwicklung beeinflusst haben. Nächster Schritt ist auf jeden Fall die phönizisch-althebräische Schrift,

"... die Mutter aller Alphabete der Vergangenheit und Gegenwart."

Diese Schrift ist uns in einer jüngeren, entwickelteren Form vom 11./10. Jahrhundert v. Chr. an bezeugt. Die bekanntesten Dokumente, sind folgende:

Der Ursprung der phönizisch-althebräischen Schrift dürfte jedoch lange vor ihrer bis jetzt ersten Bezeugung liegen.

Festhalten können wir demnach, dass den Israeliten im Kulturland von früh an in dem phönizischen und dem daraus entwickelten althebräischen Alphabet eine - abgesehen von der Vokallosigkeit - kaum noch einer Verbesserung bedürftige, leicht erlernbare Schrift zur Verfügung stand.

3. Verbreitung der Schreibkunst in Alt-Israel

Aus mehr als 400 Hinweisen im Alten Testament wissen wir darüber hinaus, dass die Schreibkunst in Israel weit verbreitet war.

Das alles war für die Entstehung des Alten Testaments gewiss nicht ohne Bedeutung.

Anmerkungen

1) Vgl.: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 3-7; auch: Alfons Deissler, Einleitung in das Alte Testament - Zusammenschrift entsprechend einer autorisierten Vorlesungsmitschrift des WS 1969/70 bzw. einer nicht autorisierten Mitschrift anhand von Bandaufnahmen des WS 1976/77 mit teilweisen Ergänzungen für das WS 1979/80 (Albert-Ludwig-Universität Freiburg i. Br.) 16.

2) Ansetzung nach Albright, Basor 110, 1948, S. 6ff (Vgl.: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 5).

3) Fundorte sind Geser, Lachisch, Sichem und andere. (Vgl.: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 5).

4) Vgl.: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 4.

5) G. R. Dreiver, Semitic Writing (2. Auflage 1954) 109, zitiert in: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 138.

6) Vgl.: D. Firinger, CHB 1 (1970) 13. Warner, VT 30 (1980) 81-90 gibt freilich zu bedenken, dass vor allem soziale Barrieren einer weiteren Verbreitung entgegenstehen konnten (Vgl.: Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments - Eine Einführung in die Biblia Hebraica (Stuttgart 1988) 5).

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Letzte Änderung: 14. März 2011